LABELPROFIL CHEAP RECORDS


...und eigentlich Überhaupt nicht billig...
Gehe sehr gern in den kleinen Konsum gleich bei mir um die Ecke und erstehe dort meine Lieblingsplatten. Jetzt, wo man die Zeitrechnung abgeschafft hat, weil sie das tägliche Leben zu sehr rastert und in zu viele Regeln einbindet, behaupten die Trendsetter unter den Schizophrenen, nach Detroit wäre nun Österreich sehr im Kommen. (Geschwätz) Das war es schon damals, in der Gegenwart. Damals hatte ein Projekt namens Cheap Parties veranstaltet. Nichts großes. Diverse Autoshows, Rancho Relaxo oder die Beschallung von Waschstraßen. Überhaupt haben Curtiz. Pulsinger und die anderen ein ziemlich enges Verhältnis zu Autos. Kurz nachdem man vor zwei Jahren damit begonnen hatte, Platten herauszubringen, erschienen die ersten Etiketten mit Abbildungen von Käfermotoren und Rennwagen aus den Siebzigern inklusive ihrer stolzen Besitzer. Die Scheibe mit dem VW-Boxer drauf hieß auch noch bezeichnenderweise "Love The Machines" und hörte sich an wie ein Grundkurs in ,Was tun, wenn der Motor Geräusche macht?" Offensichtlich hat man es in diesem Fall mit einer Gruppe von Freaks wassergekÜhlter Porsche-Konstruktionen zu tun. (VW Samba-Bus, Baujahr 63) Weitere Platten sind tanzbar, bißchen Acid, Hihats. Jeff After Four Roses. Andere wieder experimentell ohne gleichen. Eben Love the Machines. Daraus läßt sich schlußfolgern, daß auch Cheap Records erkannt haben, wie vielfältig elektronische Musik sein kann und soll. Ja, und auch die Welt der Geräusche verarbeiten kann und soll. Das Besondere bei den Cheap-Platten sei die Dynamik zwischen den Tracks. Tatsächlich sind die Leerrillen außerordentlich spannend. Was wohl an den Tracks selbst liegt. Die Verantwortlichen selbst bezeichnen ihre Musik als Fat Shit. Warum sie trotzdem davon Überzeugt sind, daß progressive elektronische Klänge eine Zukunft haben? Fat shit rules. The fatter the better entiendies? Es gibt auch einen Cheap-Ableger in den Staaten. Warum, weiß keiner. Unterschiede zwischen den Veröffentlichungen diesseits und jenseits des großen Teiches gibt es jedenfalls nicht. Cheap Records gehört zu einem riesigen Unternehmen dazu, welches Abuse Industries heißt und eigentlich nur im Underground arbeitet, weswegen man an Abuse selbst nicht herankommt. Dabei macht Abuse so ziemlich alles, was mit der Szene zu tun hat: Flyer, Event Promotion, UnterstÜtzung fÜr Labels und andere Unternehmen und, und, und. Dahinter, sowie hinter dem chilligen Ableger Morbid stehen Leute, die progressive elektronische Musik schon seit Anbeginn ihrer Tage produzieren. Das Prinzip war, daß die Idee einen Witz haben, subtil sein mußte. In etwa so wie das Buch "Sex im VW", die Publikation der Siebziger Jahre schlechthin. Cheap stellt Produkte her, werden wir aufgeklärt. Was diese Produkte aber im Endeffekt von anderen Platten unterscheidet, sind die silbernen NeutralhÜllen, fÜgt man hinzu. Tatsächlich ist es wahrscheinlich eine ganz andere Ideologie, ein faszinierender Experimentierdrang. Die Produzenten der Produkte (siehe dazu auch Abbildung unten) leben alle in Wien. Zu Disco hat man ein ziemlich intimes, aber doch gespaltenes Verhältnis, ebenso zu Jimi Tenors Saxophon und Überhaupt dem 4/4 Takt. In den nächsten Tagen wird Cheap weiter in den experimentellen Bereich vordringen. Angefangen hat alles mit Filmmusik. In Wien. Vor kurzem hat man noch ein weiteres Sublabel gegründet. Dieses ist eine Steigerungsform und heißt Supercheap. Aber auch dazu hält man sich sehr bedeckt. Das erweckt den Eindruck, man wäre aufgestanden und bei dem Gedanken Über den Sinn ebendieses Tages bei der Idee gelandet, einfach so mal wieder ein neues Label zu gründen. Supergeil und superbillig, dafür ohne jedwede Strategie. So kann es einen eigentlich nicht verwundern, daß alles, was auf Supercheap erscheint, auf Zehnzollvinyl herauskommt. Dies' Ende hätt' ich nicht im Traum erwartet/ Schließlich hieß "Schöner Leben" mein Programm/ Nur habe ich es viel zu spät gestartet/ Und meinen Irrtum jetzt erstmals erkannt.


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(c) 1995, Sven Haubold (sh4@irz.inf.tu-dresden.de)