Dave Being


S! Auf der CD stand, Spacefrogs hätten dich zufällig während einem Flug über Edinburgh entdeckt. Wie lief der erste Kontakt ab?

D: Ich habe Micky Nice ein Tape gegeben, während einer Party mit Mixmaster Morris und mir. Er hat es mit nach Deutschland genommen. Irgendwann bekam ich nen Anruf von Ralf Köster (ffsm), er mochte es und wollte es veröffentlichen.

S! Wann hast du eigentlich angefangen Musik zu machen?

D: Ich mache eigentlich schon sehr lange Musik. Ich war sozusagen "Blechbläser". Von 8-14. Mit 14 fing ich an Keyboard zu spielen. So richtig mit electronic music habe ich angefangen mich zu beschäftigen, als ich so Sachen wie Orb gehört habe und immer den "Pure"-Club gerannt bin.

S! Du hast früher mit Neil Landstrumm zusammengearbeitet. Bekommt man heute eigentlich Platten aus dieser Kooperation?

D: Mit Neil habe ich wirklich eine Menge Tracks gemacht. Wir haben so um die 100 White Label gepresst, wo "INSULAR" aufgestempelt ist. Die haben wir dann an Freunde, DJ´s geschickt oder sie eben einfach nur für uns selbst gemacht.

S! Warum habt ihr aufgehört zusammenarbeiten?

D: Als ich nicht mehr mit Neils neuen Absichten konform ging.

S! Ich hab gehört, daß du mit ein paar anderen Leuten zusammen einen Club eröffnet hast, den "Blue Room". Du sollst dort jedes Wochenende live gespielt haben, stimmt das?

D: Ja, stimmt schon. Es war auch gar nicht so schwer, sich für jede Woche etwas einfallen zu lassen.

S! Musstest du für dein Album deinen gewohnten Produktionsstil eigentlich ändern?

D: Nein, berhaupt nicht - das Album resultiert nämlich aus Tracks die ich für einem Gig im "Sativa" geschrieben habe. Zumindest im Groben. Aber es sind auch jede Menge Elemente aus früheren Tracks dabei.

S! Was würdest du sagen, wenn dich jemand nach einer Definition für "Ambient" fragen würde?

D: Hmm, Ambient... Ich würde sagen, das Ambeint ein Begriff für ein ziemlich weites und variantenreiches Feld von Musik ist. Aber eigentlich kann man Ambient kaum beschreiben. S! Ist "Tides" Ambient in diesem Sinne?

D:"Tides" ist Chill Out und Chill Out als Teil des Electronic Genre.

S! Es scheint, daß ein Großteil der Ambeint und Listening Music Szene momentan vom Trip Hop Strudel erfasst ist. Hip Hop Freestyle Beats, ein wenig uptempo und ziemlich kaputt. Dein Album ist mehr klassisch. Wieso eigentlich?

D: Ich weiß nicht exakt, was du mit klassisch meinst. Aber egal, wenn ich Musik mache, denke ich kaum daran, was ich da gerde tue. "Tides" ist nur ein kleines Beispiel meiner Musik. Ich mag minimale Musik, die ist zeitloser.

S! Woher bekommst du die Ideen für deine Tracks. Was inspiriert dich?

D: Die meisten Ideen habe ich, wenn ich einfach nur mit den Maschinen herumspiele. Ich experimentiere sehr viel. Es gibt aber auch eine Menge anderer Künstler die mich berühren und auch heute noch beeinflussen, wie z.b. Zoviet France, P.W.O.G., Black Dog, Sähkö, Aphex Twin, The Orb, Basic Channel, The The und viele mehr.

S! Nachdem du nun dein erstes Album draussen hast, wo glaubst du kann man besser seine Gefühle und Ideen ausdrücken - während einem Liveact - wo die Crowd ja auch eine wichtige Rolle spielt oder mit einer Platte?

D: Mein zweites Album kommt hoffentlich im Februar 96. Es wird eine Doppel-CD und wird auf Emissions Audio Control Output erscheinen. Ich glaube mit einer Platte ist es möglich, eigene Einflüsse über einen größeren Zeitraum zu dokumentieren. Aber ich habe schon immer live gespielt und werde das auch in Zukunft tun. Wenn ich live spiele, so ist das auch meist so, das diese Tracks doch mehr auf den Dancefloor gehen und bisher habe ich damit auch gute Erfahrungen gemacht.

S! Neil hat ebenfalls gerade sein erstes Album gemacht. Hast du es schon gehört und hast du heute noch Kontakt mit ihm?

D: Ich mag Neils Jazz-Stuff und die Tracks, die etwas breiiger klingen. Ich sehe ihn eigentlich ständig, er wohnt ja gerade mal 5 Minuten von mir.

S! Ambient oder meinetwegen auch Chill Out Music sind in England irgendwie mehr reputiert als hier in Deutschland. Und trotzdem bist du bei den Spacefrogs gelandet - hast du früher nie probiert auf einem heimischen Label unterzukommen?

D: Ich habe eigentlich nie viele Demotapes verschickt, weil man da immer befürchten muß, daüß die Tapes nur durch viel Glück und Zufälle ihren Weg zurück finden. Jetzt habe ich ja auch ein paar Sachen auf Andrew Weatheralls Emissions Label rausgebracht. Er rief mich an, als ich gerade den Spacefrog Deal gemacht hatte.

S! Bist du eigentlich immer noch im Blue Room Club involviert?

D: Der Blue Room hat seit August geschlossen. Er war teilweise in der Vergangenheit doch recht erfolgreich. WIr hatten Abraxas, The Hafler Trio, Claude Young, Christian Vogel u.v.a. Es war ein etwas anderer Club mit einer großen Breite an Musik. Definitiv nicht nur Ambient.

S! Hat das Label Blue Room eigentlich was mit dem Club zu tun?

D: Nein.

S! Erzähl was über deine Pläne.

D: Naja, ich will halt weiterhin Musik machen, werde weiterhin den Gefangenen im Zellenblock 4 zusehen, und ein paar Remixe machen. Kurz gesagt, das machen, was ich schon immer gemacht habe.

S! Ist eine weitere Platte auf Spacefrogs geplant?

D: Ja, es sollen Remixe kommen. Orlando Voorn, Rabbit in the Moon, David Moufang, Insync, Ectomorph.

S! Wo siehst du eigentlich den Unterschied zwischen Ambient und Chill Out Music?

D: Ambient und Chill Out sind doch bloß Kategorien. Ich denke, wenn Leute Ambient sagen, meinen sie langsame ruhige Musik mit ein wenig oder gar keinen Beats. Chill Out ist für mich irgendwie ein weiterer Begriff. Umfassender. Ambient - Experimental ... Schwer zu beschreiben. Für mich sind solche Kategorien sowieso unnütz. Its all just music to me.


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(c) 1995, Sven Haubold (sh4@irz.inf.tu-dresden.de)