Eddie 'Flashin' Fowlkes


Im Rahmen der Detroit-Parties, im leider inzwischen wieder geschlossenen Grand Slam in Dresden, stand auch ein Name auf den Flyern, der für uns am Anfang unserer musikalischen Entwicklung gestanden hat. Im Grand Slam fanden wir einen scheinbar gelangweilten Eddie Fowlkes, höchst dringenderweise damit beschäftigt, sich Bart Simpson der soundso’ten Folge zu Gemüt zu führen. Diese Art von Verschwendung lag natürlich wenig in unserem Sinne. Darum mußten wir ihn etwas aus seinem Schneckenhaus hervorlocken, um mit ihm über das Detroit der 80’er, über die Anfänge und die Differenzen im Detroit Sound zu sprechen. S!: Die Platte, mit der du hier in Europa richtig bekannt geworden bist, war "3MB feat. Eddie Flashin Fowlkes". Eine sehr schöne Platte, die durch ihre Nähe zum Soul auffiel. Deshalb muß ich dich zunächst fragen, was du davor gemacht hast.

E: Meine erste Platte habe ich 1986 aufgenommen. Zusammen mit Kevin Sounderson und Derrick May. Sie erschien auf Juan Atkins´ Label Metroplex. Viele Leute wissen einfach nicht, daß ich einer der Erfinder von Techno war, da ich Detroit für eine ganze Weile verlassen hatte. Ich hatte mich für einige Jahre nach L.A. zurückgezogen. 1989 kam ich dann zurück nach Detroit und begann wieder Platten zu machen, diesmal zusammen mit Damion Ray. Ich habe „Time To Express“ und „Good Bye Kiss“ gemacht. „Time To Express“ kam auf Virgin. „Good Bye Kiss“ war meine erste Platte auf Metroplex. Dann verschwand ich für ein paar Jahre, aber ich kam zurück mit einer 12" für Tresor und Logic. Nachdem ich mit Tresor fertig war, begann ich mit meinem eigenen Label, das sich Cityboy nennt. Und hier bin ich jetzt.

S!: Cityboy ist sehr orientiert am Soul, ist das richtig?

E: Nein, Cityboy ist Techno mit wenig Soul. Es ist mein Label. Deshalb ist es mehr Technosoul. Denn ich bin Technosoul, ich kam mit 3MB an die Spitze. Mit 3 Motherasses from Berlin wurde ich dann bekannt. Es wissen halt eine Menge Leute nicht, daß ich einer der Erfinder von Techno bin, was wirklich cool ist. Denn du weißt, wenn du für sie auflegst und sie mögen deine Musik, spätestens dann wissen auch sie, daß du kein Neuling bist. Wichtig ist, daß du eine eigene Einstellung zur Musik hast, du kannst deine eigene Sichtweise mit dieser Musik entwickeln.

S!: Weiter in deinem Backkatalog. Ich habe eine Platte von einem Label gesehen, das sich EFF nannte. Ist das auch dein Label? Wieviel Platten sind draußen, wieviele Veröffentlichungen sind es?

E: Nur eine Einzige. Es ist nur eine, da ich jemand anderes produziert habe und jeder hätte denken können, daß ich es wäre. Da aber nur etwas davon von mir und der Rest von jemand anderem kam, mußte ich EFF stoppen und zur Seite legen. Ich möchte die Credibility nicht jemand anderem wegnehmen. Wir haben die Musik zusammen gemacht, aber ich kann es selbst und er kann es auch selbst, deshalb habe ich mit EFF aufgehört. Und ich habe auch keine Pläne, es wieder zum Leben zu erwecken.

S!: Im Moment bist du also mit Cityboy beschäftigt?

E: Genau, mit Cityboy.

S!: Wen veröffentlichst du auf Cityboy?

E: Nur mich, bis jetzt. Aber ich habe etwas von ein paar Typen bekommen, die ich wohl rausbringen werde, wenn ich wieder zu Hause bin. Das wird dann bis zum Sommer fertig sein. Aber bis jetzt kommt alles nur von mir. Im Moment habe ich gerade ein paar Veröffentlichungen auf Serious Grooves gemacht, dies ist eines von Derrick’s Sublabel bei KMS.

S!: Wieviele Releases gibt es bisher auf Cityboy?

E: Zwei, und eine habe ich gerade auf dem Weg nach draußen. Die gibt es demnächst, wann auch immer das Preßwerk damit fertig werden wird.

S!: Du hast auch eine Platte auf Peacefrog veröffentlicht.

E: Ja.

S!: Deine Platte auf Peacefrog war ein wenig anders, als man es normalerweise von Peacefrog erwartet. Aus welchem Grund hast du diese Platte auf Peacefrog veröffentlicht? Es war doch ein ganz anderer Sound, eine ganz anderer Stil, oder?

E: Ich hatte eigentlich keine Absicht, auf Peacefrog Platten zu machen. Und Peacefrog, naja, er wollte Musik von mir haben. Aber ich sagte zu ihm nein, nein, nein. Am Ende hat er mir die richtige Menge Geld gezahlt, und er bekam die Tracks. Er kam korrekt mit dem Geld und dem Vertrag und deshalb habe ich ihm zwei Tracks gegeben. Und so ist Peacefrog an diese Tracks gelangt. Aber eigentlich sollten diese beiden Titel auf Cityboy veröffentlicht werden. Möglicherweise werden sie dies noch als Remix Ende Sommer, ja höchstwahrscheinlich wird es einen Remix geben, aber so genau weiß ich dies auch noch nicht. Als ich die Platte aufnahm, war ich in einer sehr religiösen Stimmung, verstehst du. Ich bin ein gottesfürchtiger Mensch. Ich glaube an Jesus und Gott. Ok, sagen wir einfach: Während ich physisch den Track gemacht habe, habe ich über meine Religion nachgedacht. Er machte mir den Vorschlag, etwas auf Peacefrog zu machen. Doch ich hatte zu mir gesagt, daß ich all meine Musik auf Cityboy rausbringen werde. Aber er war korrekt. So money talks, you know.

S!: Was machst du, wenn du in den Staaten bist? Was hast du für eine Arbeit, was machst du den ganzen Tag? Oder kannst du von deiner Musik leben?

E: Yeah Yeah. Meine Musik verkauft sich, daß mag unglaublich klingen.

S!: Und seit wann lebst du von der Musik?

E: Seit wann? Seit 1986. Ja, ich hab meine erste Platte 1986 herausgebracht. Ich bin vor Underground Resistance, Richie Hawtin dabei gewesen. - Nein ihn sollten wir nicht dazu zählen, er paßt überhaupt nicht hier rein. - Ich bin vor jedem anderen außer Kevin, Derrik, und Juan dabei gewesen. Und niemand sonst hätte vor uns dabei gewesen sein können. Und der Grund dafür ist: We started it! Es ging darum, Platten für Detroit zu machen, damit Detroit ein besserer Ort für Parties wird. Techno ist eben aus uns heraus gewachsen, auch wenn das so neu für viele Dummk&öuml;pfe ist. Wir haben diese Musik nur für Detroit und sonst niemanden gemacht. Aber ich wußte natürlich auch, daß wenn ich die erste Platte einmal verkauft hätte, diese dann überall verteilt werden wird. Man würde sie dahin und dorthin verschicken. Mir war das egal, ich wollte einfach Detroit am Leben erhalten. Tja und wenn du je nach Detroit kommst, dann brauchst du nur zu fragen, wo kann ich Eddie Fowlkes finden. Jeder normale Mensch wird dir sagen können, wo ich wohne, verstehst du. Vergleich das mal mit der Menge Leute, die von sich behaupten, daß sie aus Detroit kämen, aber gar nicht von hier sind. Niemand in Detroit kennt Richie Hawtin und wer war noch mal der andere Typ aus dem Richie Hawtin Lager?

S!: Aquaviva? John.

E: Yeah. Aquaviva. Er ist nicht aus Detroit. Da kriegt ja jeder falsche Vorstellungen. Leute wie Juan sind in Detroit bestens bekannt, auch Derrik, Mike Banks - Underground Resistance - du weißt schon - ahh Carl Craig kennt man auch in Detroit. Doch ein Haufen Mützen sind überhaupt nicht bekannt in Detroit, weil sie Detroit keinen Respekt gezollt haben. So werden sie auch von den Leuten in Detroit nicht respektiert. Auch wenn ich schon überall in der Welt aufgelegt habe, so weiß ich, wenn ich in Detroit auflege, dann wird jeder herausgekrochen kommen, denn ich bin als DJ seit 1980 bekannt. Die Leute kennen mich schon seit Jahren. Und als ich meine Platte herausgebracht habe, gab es einen riesigen Knall! Es lief im Radio, verdammt, wir alle wollten eine Platte, die aus Detroit kam und von nirgendwo anders her. Und Farley Star begann es dann in Chicago zu spielen, Frankie Knuckles legte es in Chicago auf, doch eine Menge Leute haben dies einfach verpaßt. Und ich danke Gott, daß ich dieses Gefühl in meinem Herzen nicht missen mußte und es nach außen bringen konnte, wie ich es wollte.

S!: Gab es eigentlich noch einmal gemeinsame Produktionen mit Oswald und Fehlmann?

E: Wieviele Platten ich mit 3MB gemacht habe? Eine.

S!: Wie oft verkaufte sich diese?

E: Ahh, das ist das Problem, daß ich mit Tresor im Moment noch habe. Sie sagen, es wurde so oft verkauft, aber ich bin der Meinung, es wären viel mehr davon verkauft worden. So sind wir vor Gericht gegangen, damit ich meine Tantiemen dafür bekomme. Das ist eine lange Geschichte. Sicher ist, daß eine ganze Menge verkauft worden ist. Aus diesem Grund bring ich jetzt aber all meine Musik auf Cityboy heraus.

S!: 3MB war ein wichtiger Meilenstein in unserer Entwicklung. Jeder hat diese Radiostation mit Marusha aus Berlin gehört. Sie spielte es und wir rannten in die Plattenläden. ... Ich denke es war ein vollkommen anderer Stil. Jeder wurde von dieser Musik beeinflußt. Aber wenn man heute die Leute, die in die Szene strömen fragt, dann kennen sie Aquaviva, sie kennen Hawtin, doch fast niemand kennt Eddie ‘Flashin’ Fowlkes.

E: Das ist kein Problem, ich bin seit ’86 dabei und das bin ich noch immer. Und ich werde nicht gehypt. Du weist, was das heißt. Und was mich hierher zu diesem Interview gebracht hat ist meine Musik, nicht der Hype. Das ist der Unterschied zwischen mir und +8. Es ist kein Joke und auch wenn es langweilig klingt, das ist nunmal Tatsache. Und es sollte auch für all die anderen Techno Gurus DJ Dick, Westbam und so weiter gelten. Ich mache Hits, ich mache Quality Records ohne Hype, strikten Spirit. Spirit of the Heart and I love music. So werde ich bis zu dem Tag, an dem ich sterbe dabei sein! Und das Geld spielt dabei keine Rolle. Ich bekomme es jetzt oder hinterher, das ist kein Problem. Einige Leute machen diese Musik, um berühmt zu werden. Ich mache es, weil ich die Musik liebe! Das ist der Unterschied, den man zu verstehen hat; die Musik, die wir hören und von der wir reden, kommt von den Straßen in Detroit und Chicago. Wir wußten, was wir schaffen wollten und darum wissen wir auch, was damit anzufangen ist. Wir wollten das Bisherige an der Musik zerstören, so wie es jeder andere auch will, doch die anderen haben dies nicht so verstanden wie wir. Darum bin ich hier, und die Leute, die mich nicht kennen, sind kein Problem für mich.

S! Wir haben mit einer ganzen Reihe von Künstlern aus Detroit gesprochen; über die Gründe dieser einzigartigen Entwicklung der Musik in dieser Stadt. Und da gab es oft die These über House, der aus den Clubs kam und sich langsam veränderte - härter, schräger und experimentierfreudiger wurde. Deine Platten klingen eigentlich ganz anders, viel souliger. Kannst du diese Unterschiede erklären? Woher kommt dein Sound?

E: Der Unterschied zwischen mir, solchen Typen die in Detroit leben, und Richie Hawtin ist folgender: Es ist unser Leben mit dem MoTown Sound. Mojo - der Typ im Radio spielte die unterschiedlichste Musik, während wir aufwuchsen. Als Mojo aufhörte, begannen wir unsere eigene Sache. Richie erlebte dies niemals und wird es möglicherweise niemals erleben. Richie ist immer nur hereingekommen und hat sich umgesehen. Was er fand, nahm er mit nach Hause, aber er konnte niemals den Soul mitnehmen. Er dachte, er hätte etwas davon, aber er hatte ihn nie. Es gibt eine Vielzahl Menschen mit Soul, denn Detroit hat eine Menge Soul, es gibt eine Unmenge an talentierten Leuten. Doch dieser Soul ist etwas, was Richie wohl niemals haben wird. Er selbst würde niemals von sich aus hier sein, wenn es nach seinem Gefühl für die Musik gänge. Jeder in Detroit weiß das. Stell dir vor, was wäre wenn Richie gesagt hätte: Hey ich bin Richie Hawtin aus Canada, ... anstatt zu sagen er lebt in Detroit... Viele Leute in Detroit respektieren Richie überhaupt nicht. Also tatsächlich ist es niemand. Nur die Leute in Europa sind es die +8 beachten. +8 bekommt keinen Respekt in Detroit. Dies ist die Hauptsache, dies ist der große Unterschied. Er ist nicht so aufgewachsen wie wir es sind, in Detroit. Techno ist ein Hiphop Ghetto Style, nicht mit dem strammen Bumm Bumm. Es ist eine Art Uptempo Hiphop mit einigen Melodien darüber. Ihm fehlt dieser ganze Hintergrund, weil er nicht in dieser Gegend aufgewachsen ist. Aber Leute wie Carl Craig, Kenny Larkin und Claude Young haben uns zugesehen. Sie hörten zu, während wir uns entwickelt haben. So sind sie dazu gekommen und die Leute nach ihnen werden auch diesen Weg gehen. Aber weißt du, die Leute wie Dan Curtain und all die anderen sind von draußen. Sie versuchen, was den Soul ausmacht zu erkennen, was es ist. Aber sie konnten nur zusehen und zuhören, was für Parties wir (Eddy, Derrik May und Juan) machten. Das einzige was sie von unseren Parties aufnehmen konnten, war die Bedeutung des Pitch-Reglers. Normalerweise machte ich viele Parties auf der einen Seite von Michigan, da ich als DJ gut war und brachte auch Juan und Derrik dazu. Gewöhnlich hatte ich eine 808 nebenbei laufen. Das war 1984. Später war Juan an der 808 und ich habe gemixt und dann kam Derrik und ich mixte mit einem Plattenspieler und Derrik stand an dem anderem Turntable. So haben wir unsere Vision von einem vollkommen anderen Stil geschaffen. Niemand konnte dem folgen, aber du hattest Farley, Chippie, Steve Hurley in Chicago, die genau dasselbe gemacht haben. Die Söhne Detroit’s gegen die Chicago’s. Aber es war cool, denn wir mußten niemals in die Stadt der anderen gehen, um gegen sie zu kämpfen. Detroit hatte seinen Stil und Chicago hatte den Seinen und diese Zeit ist etwas, was Richie Hawtin vollkommen verpaßte. Denn jetzt kann doch jeder DJ sein, wenn er eine Platte auflegen kann. Aber früher mußtest du richtig mit den Leuten arbeiten, denn niemand hätte zu dieser Art von Musik getanzt! So mußtest du spielen was sie hören wollten, sie haben auf das reagiert, was du gespielt hast - die ganze Nacht lang. Dies ist es, was den Unterschied ausmacht. Das hat den anderen doch zu Hause gefehlt. Und dieser Unterschied ist ein gewaltiges Loch zwischen uns.

S!: Was denkst du, warum orientieren sich so viele Producer so stark an Detroit? Da muß es doch etwas an Detroit geben, warum jeder so stark darauf fokussiert ist?

E: Eine Menge Platten kamen aus Detroit und veränderten die Dance Industrie, die Dancemusik.

S!: Welche Platten waren dies?

E: Meine erste, Derrik May's; Good Life Big Fun, alle Platten von Juan in den 80’ern. Sie veränderten die gesamte Undergroundszene, auch weil es keine Hitscheiben aus Europa gab, die die Szene verändern gekonnt hätten.

S!: Beschreib den Underground der 80’er!

E: Jede Menge Parties, viele DJ’s spielen Keyboards oder Drummaschine, wenn sie mixen.

S!: Was für Stile, welche Sounds?

E: 808, 909, 707, 303. Wir waren dafür bereit, im Radio gab es soetwas nicht. Und die DJs haben eine gute Arbeit geleistet. Es ließ eine neue Szene entstehen. Das war 1983, ’82, weit vor Carl Craig, Kenny Larkin und all den anderen. Das ist die Sache, die damals geschah, bevor die Leute anfingen, es auf Vinyl zu bringen. Es lief in den Clubs, sie spielten auf den Parties, in den Clubs, überall. Das war die Szene, die gesamte Szene. Jeder DJ mußte eine Drummachine dabei haben, wenn er auflegte. Jetzt ist es überhaupt nicht mehr so. Es ist, als hätte Europa diese ganze Entwicklung verpaßt. Man kannte all die Leute, die dabei waren, konnte es überschauen. Es lief so Jahr für Jahr und brauchte keinen Hype in den Medien.

S!: Wie hat die Entwicklung in der Welt, die Szene in Detroit verändert? Siehst du Unterschiede zwischen jetzt und den 80’ern?

E: Yeah. Der Unterschied zwischen jetzt und der Vergangenheit in Detroit? Der Unterschied ist, daß Rap die Untergrundszene in Detroit übernommen hat. Er hat die Straßen aufgesogen, früher gab es Technomusik, Housemusik auf den Straßen, jetzt der Rap. Wenn ich jetzt Partys mache, dann sind dort viel mehr Weiße und weniger Schwarze. Aber die besten Partys auf die man gehen kann sind schwarze Schwulenpartys. Erinnert euch, Mixen kommt von den Schwulen. Schwarze schwule Kids fingen mit dem Mixen an. Die Leute wissen einfach nicht, daß dies alles in Gang brachte. Wenn du wirklich auf eine Party gehen willst, dann geh auf irgendeine schwarze Schwulenparty irgenwo in Amerika und hab deinen Spaß, denn sie waren es, die das ganze Programm zum Laufen brachten. Yeah, sie haben die ganze Dance Industrie gestartet. Auf der ersten 12" war irgenwas mit „love to love you baby“. Alles klar? Viele Kids kennen diesen Hintergrund nicht, sie wissen so wenig und sind damit zufrieden, kümmern sich überhaupt nicht darum was in der Vergangenheit gewesen ist und wie alles begann. Mit diesem Verlust an Geschichte hat der ganze Abstieg begonnen. Es ist als hättest du nichts geschaffen. All diese Ursprünge sind verschwunden, man wird wie Marusha oder die Maydayparty. Die Musik ist zwar da, aber sie hat keinerlei Substanz. Es ist Musik ohne Eier. Aber wir werden das überleben.

S!: Was wäre, wenn Mayday dich anriefe "Hi Eddie wie wärs ..?"

E: Das wird nicht geschehen. Es wird nicht geschehen, wegen einer Sache in der Vergangenheit. Vergiß eS! 20 Maydaypartys bis jetzt und sie haben mich nicht angerufen. Das wird wegen der Vergangenheit nicht geschehen. Das ist alles was ich darüber sagen werde, es gab da etwas ( .. Hier endet dann auch der erste Teil des Bandes. Zufall, glücklicherweise - irgendwie.) Ich würde auch nicht mitmachen bei Mayday. Ich mag Partys wie diese hier, geschlossen und intim. Alle erfreuen sich an den Platten, die man auflegt. Keine blinkenden Wände aus Licht, Fernsehkameras und all sowas. Denn dies ist so wie wir begonnen haben. Kleine Partys wie diese, hundert, hundertfünfzig Leute und Mundpropaganda ist dabei besser als jeder Flyer.

S! Was ist deine Meinung, wie würde Jesus über Technomusik und Techno denken?

E: Nein. Nein. Mein Schicksal liegt in der Hand von Jesus Christ, das hält mich dabei weiter zu machen. Deshalb bin ich hier. Weißt du, ich habe niemals während des ganzen Interviews gesagt, ich wäre besser als irgendwer sonst. Ich habe nie gesagt meine Musik ist besser als die von jemand anderem. Jesus zeigt mir, wohin ich gehen muß. Er ist es, der mich führt, niemand sonst ist in der Lage die Leute anzuführen. Ich meine, ich weiß das viele Europäer nicht an Jesus und Gott glauben. Das liegt an den Regierungen, bei denen zählt etwas anderes. Sage ich nicht die Wahrheit. Techno kommt aus Detroit und ich bin einer seiner Erfinder. Tut mir leid, so ist es nun mal. Man braucht doch nicht dem Hype zu glauben. Do not believe the hype, because you will be brainwashed.

S!: Wir denken die meisten Raver sind vollkommen Gehirngewaschene.

E: Vollkommen!

S!: Es gibt Tausende an Zeitungen, Radiostationen und so weiter, und sie alle wollen nur ihr Geld machen. Die Leute stehen dann davor und konsumieren, und das ist alles.

E: Genau! Siehst du das ist das Problem genau hier, in Europa. Denn Techno ansich war, als alles begann, keine Sache, die mit Drogen zu tun hatte. Es war eine Geistesmusik ohne Drogen. Wenn du es nicht ohne Drogen fühlen kannst, dann wirst du auch nicht fühlen worum es eigentlich geht! Der Unterschied ist, daß viele europäische Kids ein Menge Drogen nehmen um das Gefühl zu erzwingen, anstatt es ganz natürlich kommen zu lassen. Sie verpassen das natürliche Gefühl, da sie die Drogen nehmen. Sie sind stets auf dem Trip. Sie haben keine Verbindung zu der Person, die die Musik, die Platte gemacht hat. Es klingt krank, aber in Canada hat es die ganze Szene zerstört. Es hat der Musik die Eier genommen! Und die Szene in Detroit wurde erklärt, wie sie eigentlich überhaupt nicht war. Als wir begannen, haben die Kids in Detroit nur getrunken. Einige rauchten ihr Zeug, aber sie saßen an der Seite. Die Leute, die tanzten, tranken bloß und das gab das natürliche Gefühl zur Musik. Sie wußten, was mit sich anzufangen, wenn sie zu Hause waren, denn sie hatten nichts geraucht, aber sie kannten dafür auch das natürliche Gefühl dabei. Deshalb kennt man, wächst man in Europa - wo jeder Drogen nimmt - auf, dieses natürliche Feeling nicht. Denn alle wirken so verloren, das ist nicht das natürliche Gefühl, das mit dem gemeinsamen Tanzen verbunden ist. Wenn man allein tanzt, dann vermißt man die Verbindung untereinander. Das ist ein tiefer Verlust. Do not believe the hype. Don’t believe in it.


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