Robert Görl

S! Du musizierst ja schon seit Ewigkeiten. DAF dürfte ja jedem noch ein Begriff sein. Wie schafft man denn den Bogen von NDW zu Techno, Techno der wirklich harten Gangart, wenn man deine neue Scheibe "watch the great copy cat" anhört?

R: Für mich ist der Unterschied eigentlich gar nicht so groß. Im Gegenteil, für mich ist der Übergang eigentlich ziemlich flüssig.Wenn ich so zurück denke, so an die Anfangszeiten von DAF,dann war das eigentlich das selbe. Also, reine Energie, wahnsinnig heavy Elektronik, eigentlich dasselbe, obwohl es schon vor 15 Jahren stattgefunden hat. Klar, wir haben bei DAF auch ein paar poppige Nummern gemacht: "Der Räuber und der Prinz" oder sowas, wo sogar Melodien drin waren. Aber ansonsten war das damals schon sehr heavy. Der "Mussolini" zum Beispiel war doch voller Energie. Ein reines Energiestück, wenn ich das heute betrachte. Von dieser Sicht aus finde ich den Übergang eigentlich total flüssig. Zumal ich heute ja wieder so energetische Sachen mache. Sehr minimal und hart.

S! Gab es damals eigentlich nie Konflike in der Art, daß du eben mit harter elektronischer Musik gegen euren Texter und Sänger ankämpfen mußtest?

R: Nee, das lief eigentlich damals super. Das hat uns alle eigentich auch wahnsinnig fasziniert, wie der Gabi Delgado, unser Sänger, sich da so einfach draufgehockt hat. Auf diese Maschine, auf diese reine Elektronikpower. Das hat eigentlich immer sehr harmonisiert.

S! Wurde da richtig getextet?

R: Auch, also es wurde schon auch an Texten gearbeitet, der Gabi hat sich trotzdem dann so einfach draufgehockt, irgendwie so direkt, deswegen war bei den meisten Nummern auch ein direkter Wort-Musik-Bezug da. Wir waren zusammen, während das eben entwickelt wurde, der Gabi hat ein richtiges elektronisches Gehör entwickelt und ich habe seine Texte dazu sofort gehört und wir konnten uns eben ständig auch austauschen.

S! Wenn das so positiv für euch lief, warum hat sich eure Zusammenarbeit dann nie fortgestzt?

R: Wir haben das ja wirklich jahrelang gemacht und irgendwann liefen dann so ein paar Geschichten ab. So zwischenmenschliche Geschichten ja und an denen geht dann vieles auch auseinander. Das hat man ja oft, auch bei Freunden die jahrelang zusammenrumhängen, alles zusammen machen und plötzlich passiert da etwas und man geht seiner Wege. So war das eigentlich auch bei uns. Wir sind mehr so auseinander gedrifftet.

S! Hast du nach DAF die Entwicklung von Techno schon beobachtet, für Dich entdeckt?

R: Eigentlich gar nicht. Erst hatte ich ne lange Pause und dann wollte ich in die POP-Ecke. Ich habe mich dann wirklich lange mit dieser Pop-Geschichte befasst, habe aber recht bald gemerkt, daß das für mich nicht funktioniert. Ich bin da einfach mit vielen Sachen so für mich nicht mit klar gekommen. Naja, danach war dann wieder lange nichts und dann habe ich so für mich festgestellt, daß es wirklich am besten kommt, wenn ich so minimal und hart bleibe. Ich weiß nicht wie ich das sagen soll, aber das funktioniert bei mir scheinbar einfach, vielleicht habe ich da ja einen guten Draht dazu. Das andere wäre dann vielleicht ein wenig zu gekünstelt. Wenn ich an einer Popnummer so rumschraube, dann fängt man leicht an, so zu künsteln, also mir ist das zumindestens passiert und deswegen habe ich das auch bleiben lassen.

S! Was machst du zur Zeit? Wie lebst du, arbeitest du - ich meine so richtig - oder was machst du den ganzen Tag?

R: Ich bin Musiker.

S! Du lebst immer noch von der GEMA oder was heißt das?

R: Ja und natürlich auch von neuen Maxis und von Live-Auftritten und davon kann man leben.

S! Seit wann machst du als Robert Görl live?

R: Eigentlich seit drei Jahren, seit Disko B. Seitdem ich zu Disko B kam, war dann auch der richtige Techno oder Elektronikbezug da. Nach meinen missglückten Ausflügen in die Pop-Welt, dann zu Dsiko B und wieder ganz hinunter, jetzt nicht negativ gemeint, sondern eben wieder zurück zur Basis, wenn man so will.

S! Kanntest du die Disko B Leute schon, hast du vorher schon so harte Sachen produziert?

R: Das kam direkt alles auf einmal. Ich hatte die ersten harten Sachen produziert und da war auch schon der Upstart(Peter Wacha - Disko B Chef) da. Ja manchmal ist das so. Da kommt lange Zeit gar nichts und plötzlich kommt alles auf einmal. Das hat vielleicht irgendwie so mit direkten Ideen zu tun, wenn man in so einer Experimentalphase ist, dann geht alles einfach schleppend und langsam und dann wenn man etwas für sich entdeckt hat, dann geht alles ganz schnell. So kam die Psycho damals eigentlich ziemlich schnell. Und die lief eigentlich auch gut, die läuft auch heute noch gut, obwohl die schon drei Jahre alt ist, entdecken manche Leute die Psycho erst heute. Entdecken vielleicht jetzt erst diesen ganz typischen knochentrockenen Energiesound.

S! Ist ja eigentlich auch gerade ein kleines Revival für diese ganz minimalen knochentrockenen Sounds.

R: Ja schon, ganz minimal, mit sehr wenigen Bewegungen, sehr gerade.

S! Läßt du dich beim Produzieren von deinen Tracks von aktuellen Trends beeinflussen?

R: Von dem was um einen drumherum ist? Na klar. Davon wird man ja zwangsläufig unbewußt beeinflusst. Wenn ich dann aber im Studio bin, dann fließt das schon aus mir heraus. Wenn ich so unterwegs bin, dann interessiere ich mich schon dafür, aber im Studio kommt dann alles aus mir selbst.

S! Was hörst du so zu Hause?

R: Zu Hause höre ich gar keine Musik. Echt! Ich schaue nur Fernsehen.

S! Nur so oder richtig exzessiv - junkmäßig bin zum Ende.

R: Klar richtig Junk. Ständig hin und her und bis zum bitteren Ende. Musik höre ich natürlich, wenn ich weggehe, auf irgendwelche Parties und Events. Da interessiere ich mich schon dafür was läuft.

S! Deine ersten Sachen auf Disko B waren ja noch zusammen mit Kotai und Goodgroove produzierst. Auf deiner neuen waren die Namen nicht mehr vertreten.

R: Nein, die Copycat ist wirklich nur von mir allein.

S! Was an der Copycat auffällt ist das sich die Tracks alle wirklich so schleifend langsam aufbauen, ohne Breaks und bewusstes erkennbares Arrangement. Produzierst du deine Tracks auch so aus einem Guss?

R: Also es ist schon so halb live und dann bewußt benutzt sozusagen. Das Material der Copycat stammt eigentlich aus so einer Live-Phase. Wo ich wirklich viel Live gearbeitet habe. Die Tracks entstanden somit alle für Liveacts, was auch gut war, da ich dadurch auch gleich die Clubresonanz hatte und dann habe ich das Material wieder neu aufgearbeitet. Also schon so richtig produziert.

S! Aber bevor du in den Club gehst, hast du schon ein Grundgerüst vom Track?

R: Na sagen wir mal so, ich habe die Einzelteile zusammen und entwickle den Track dann live. Die Basis liegt also schon vor und dann arrangiere ich das live mit einem Mischpult. Was ich heute hier live gemacht habe (Disko B Night - Carolaschlößchen Dresden), war ja mehr eine Ambientgeschichte. Normalerweise, also wenn ich so im Club live arbeite, dann spiel ich natürlich härter, mit sehr viel mehr Rhythmus und so. Aber mir machen diese Ambientgeschichten aber auch sehr viel Spaß. Ich hab das auch schon ein paar mal gemacht.

S! Ich fand das auch recht interessant, weil es, obwohl es keinen richtigen Rhythmus durch Bassdrums oder ähnliches gab, trotzdem sehr rhythmisch war.

R: Das finde ich ja auch das spannende, das man die Maschinen eben so einstellt, das sich so schleifend eben auch ein Rhythmus einstellt. Einen Groove aus der Elektronik.

S! Das fand ich auch das Phaszinierende an der Copycat, das eben alles miteinander schwingt.

R: Das kommt daher, das ich die Tracks nicht versuche zu konstruieren, es ist eben alles schon da in mir und ich versuche dann alles nur ins fließen zu bekommen. Am Anfang sind da einfach ein paar Loops, die einen Drive drauf haben und dann lass ich das auch schon so. Sehr minimal, da kommt nur noch ein Groove dazu und dann bleibt das auch so. Es mag sein, das das für manchen sehr monoton ist, aber es ist in anderer Richtung wieder spannend, weil der Track so aus dem Bauch heraus entsteht.

S! Wenn du heute deine ganz alten Sachen hörst, machen die dich da immer noch an, oder siehst du die heute aus etwas anderem Blickwinkel.

R: Nee, also ich steh da eigentlich schon noch dahinter. Ich wollte auch schon mal wieder Remixe machen. So von Musolini vielleicht. Aber das muß dann natürlich einfach ein Hammer sein, weil das Original schon ein Hammer war damals. Skeptisch sehe ich da schon eher meine anderen Sachen, wie diese Pop-Sachen, wo ich einfach versucht habe, viel zu viel zu konstruieren. So richtig popmäßig, Strophe-Refrain-Strophe und so was. Die Sachen haben einfach nicht funktioniert.

S! Für dich nicht funktioniert oder für Plattenfirmen?

R: Für mich nicht. Dann auch schon so durch Reaktionen von anderen. Ich habe das immer wieder versucht und habe das einfach nie hinbekommen etwas so ganz genau und sauber zu machen. Deswegen hab ich's dann auch sein gelassen.

S! Muß für dich ein Track beim Produzieren sofort funktionieren, läßt du einen Track beispielsweise völlig sein, wenn's nichts wird oder setzt du dich später nochmal ran?

R: Naja, Produktionsweisen ändern sich natürlich auch. Bei meiner letzten Produktion bin ich dazu übergegangen das ich die Track erst mal so rough gemacht habe, also so ein Rohgerüst, auch mit einem nur so provisorischen Beat, damit ich die Tracks für mich dann erst mal im groben sortieren kann. Nach diesem Rohzustand hab ich dann entschieden, auf was ich mehr Wert lege, einige fallen eben durch. Und danach setzte ich mich dann nochmal von vorn mit dem Rest auseinander.

S! Gibt's Leute denen du deine Rohfassungen auch mal anvertraust?

R: Ja klar, bei der Copycat waren immer auch Leute im Studio.

S! Und in wieweit interessiert dich deren Kritik?

R: Ich habe dafür schon ein Ohr. Man muß schon offen sein für Reaktionen von anderen Leuten, wenn man aber vorhat eine Soloproduktion zu machen, dann muß man gleichfalls auch standfest sein und sein Ding in gewisser Weise durchziehen. Ansonsten kann es dir halt passieren, das dein Track sich in eine für dich eigentlich nicht geplante Richtung entwickelt und sowas mag ich eigentlich gar nicht. Also wenn man während der Produktion schon anfängt viel zu viel darüber nachzudenken und man nicht mehr aus dem Gefühl heraus es laufen läßt. Aber ein offenes Ohr habe ich eigentlich immer für andere Meinungen.

S! Und dann bei Disko B, akzeptiert der Upstart dann dein Konzept im Ganzen oder wird dann schon auch um einzelne Tracks gefightet?

R: Das war eigentlich eine ziemlich straighte Angelegenheit. Der Upstart hat sich dann schon zurückgezogen mit dem Material - klar, weil der Upstart ist nicht unkritisch. Ja eigentlich ist er doch sehr kritisch. Der zieht sich mit den Nummern zurück und irgendwann sagt er dir auch was dazu.

S! Und was hat er denn gesagt?

R: Was hat er gesagt? Am Anfang war er ein wenig hin und hergerissen. Erst hieß es, es wäre doch sehr abgefahren und für mich klang das eher skeptisch. Später dann, das es so klar geht, aber doch recht abgefahren ist. Aber eigentlich hätte ich mir schon gewünscht, das er mehr sagt.

S! Na denn wünschen wir dir das die Scheibe gut läuft und das wir bald wieder was von dir zu hören kriegen.


zurück zur HOMEPAGE zurück zur DATABASE
(c) 1995, Sven Haubold (sh4@irz.inf.tu-dresden.de)