Ian Pooley


Nun ist seit unserem Interview mit Thomas über Spacecube viel Zeit ins Land gegangen und die beiden sind seit einer Weile solistisch tätig. Nach den Hintergründen und speziell nach seinem solistischen Schaffen auf den verschiedensten Labels und in den verschiedensten Richtungen haben wir Ian Pooley befragt.

S! Seit wann bist du solistisch tätig und wie kam das zustande?

IP: Solistisch tätig bin ich seit Sommer 94. Vor zwei Jahren hatte ich auch ein Soloprojekt laufen, aber das war nicht so relevant. Lediglich eine Soloplatte auf Force Inc. Der Hintergrund dafür war, daß der Thomas in diesem Sommer einen Monat im Urlaub war und ich ein paar der Geräte mit zu mir nahm, um zu Hause Stücke zu machen. Als Thomas wiederkam, hatte er keine rechte Lust auf das Produzieren, so daß ich eine Zeit lang allein gearbeitet habe. Später hat er dann angefangen, die Tonka-Sachen herauszubringen. Unsere Soloarbeiten laufen momentan sehr gut, aber das heißt nicht, daß wir nun gar nichts mehr zusammen machen; das ist einfach eine Phase in der wir uns sozusagen selbst verwirklichen.

S! Also wird es durchaus wieder TNI- oder Spacecube-Releases geben.

IP: Ja klar! Wir haben jetzt als TNI ein Stück für die Force Inc. 100 gleich bei mir zu Hause eingespielt. Es ist nicht so, daß wir uns immer einen Plan machen, das ergibt sich dann meistens irgendwie.

S! Wie stehst du zu dieser Solotätigkeit - fühlst du dich freier, oder ist es sonst in irgendeiner Weise besser für dich?

IP: Beides hat seine Vor- und Nachteile. Mir macht es auch sehr viel Spaß, allein zu arbeiten weil ich eine ganz andere Arbeitsweise habe, wenn ich alleine bin. Ich kann schneller produzieren und mache manchmal drei Stücke am Tag. Mit dem Thomas ist das langwieriger, weil wir dann mit Computern arbeiten. Allein arbeite ich nicht mit dem Computer. Deswegen ist es für mich angenehmer, allein was zu machen und so kann ich auch Ideen schneller umsetzen und die Tracks kommen schneller auf DAT.

S! Was für Equipment verwendest du sonst?

IP: Ich habe zu Hause keinen Computer. Ich produziere, ähnlich wie die Leute in Chicago, mit einem Akai-Sequenzer und mit den alten Geräten; 909, 808... und einen Sampler benutze ich auch.

S! Gibt es bei deinen Soloprojekten eine ebensolche Stilvielfalt, wie das bei Spacecube der Fall ist, wo viele Stilarten vereint oder kombiniert werden?

IP: Ich versuche immer zu trennen. Da ich Sachen für verschiedene Labels mache, geht das auch ganz gut. Die Releases auf Force Inc. sind detroitiger, die auf Definitive eher housig und und auf A.F.U. kommts all das heraus, was härter ist. So finde ich das besser, damit die Leute nicht so durcheinanderkommen und sich ihre Sachen aussuchen können. Wenn ich zu Hause Stücke mache, dann geht es quer durch alle Stilrichtungen. Wenn du dir ein DAT von mir anhörst, dann kannst du eigentlich alles erwarten. Ich produziere nicht kongret eine E.P zum Beispiel für Force Inc., sondern ich laß es auf mich zukommen und mache einfach Stücke, die ich dann hinterher nochmal durchhöre und dann entscheide ich, wo sie am besten passen und stelle E.P.s zusammen.

S! Ein paar der Labels, auf denen Platten von dir erscheinen, hast du ja schon aufgezählt - wie Force Inc. und Definitive. Für welche Labels arbeitest du sonst noch?

IP: Auf A.F.U. noch. Das ist ein Sublabel von Trope, das sehr trackorientiert ist. Dann habe ich eine Platte für Plink Plonk in London gemacht und jetzt habe ich ein Stück gemacht für eine New Electronica Compilation. Die haben mich angerufen und ich habe es gleich eingespielt, weil mir New Electronica auch gut gefällt.

S! Wird es in Zukunft noch mehr von dir auf New Electronica zu hören geben?

IP: Es könnte sein, daß ich nochmal etwas für eine Compilation mache, aber ein Album, das glaube ich nicht. Ich mache jetzt erstmal mein Ian-Pooley-Album auf Force Inc, das ist jetzt wichtiger. Das Album erscheint voraussichtlich Ende Februar.

S! Wie fügt sich das Stück für diese Compilation in die Art Musik ein, die auf New Electronica erscheint?

IP: Am Telefon haben sie gesagt ich kann machen, was ich will. Das Stück ist aber nicht hart, sondern sehr ruhig. Etwa wie As One.

S! Nochmal zu deinem Album auf Force Inc. Was kann man von diesem Album erwarten?

IP: Das Album versuche ich so zu gestalten, daß von jedem was dabei ist, insgesamt aber ein Konzept erkennbar ist. Es ist noch nicht fertig compiliert, da ich noch Stücke produziert habe und noch entscheiden muß, was davon noch mit auf das Album kommt. Es werden zum Beispiel ganz kurze Stücke drauf sein, die etwa eine Minute lang sind, die das Ganze bißchen auflockern sollen. Und eher detroitige Sachen, sowie härtere. Ich packe wahrscheinlich auch ein Stück mit Hip Hop Beats drauf, damit die Leute sehen, was ich sonst noch so mache.

S! Gibt es bei dir stilmäßig Vorlieben?

IP: Nein. Kann man nicht sagen. Ich habe vor kurzem ein Projekt begonnen für ein englisches Indielabel, wo ich Gitarrensamples und überhaupt Gitarren einbaue. Das geht also sehr in Richtung Independence, was ich in meiner Freizeit aber gern und oft höre. Daher macht mir das Projekt auch großen Spaß und ich verwende für die Samples Ausschnitte von den Bands, die ich am liebsten höre. Ich will versuchen unter einem neuen Synonym eine LP zu machen. Aber das alles ist eher noch Zukunftsmusik.

S! Würdest du sagen, daß das ein zweiter musikalischer Weg wäre, den du gehst?

IP: Also ich kann selbst nicht Gitarre spielen, aber ich könnte mir vorstellen mit Musikern zu arbeiten, die Gitarre spielen. Mit denen Stücke zu machen. Alec Empire nimmt auch gerade in New York eine LP mit solchen Musikern auf. Es ist also generell so, daß uns das sehr interessiert. Weil es halt aus einer ganz anderen Ecke kommt.

S! Alec Empire ist ja einer, mit dem du regelmäßig zusammenarbeitest, oder?

IP: Ja, ich habe mit ihm jetzt eine E.P. gemacht, die kommt auch Ende Februar raus. Die wird dann sehr hart, etwa in dem Maß wie Underground Resistance oder Hardtrax. Die soll auch so klingen, weil wir das damals so gut fanden.

S! Arbeitest du noch mit anderen Leuten zusammen, regelmäßiger oder manchmal?

IP: Eigentlich nur mit Alec. Es sind aber immer mal ein paar Amerikaner in Frankfurt, die unter der Woche rumhängen und am Wochenende auflegen und mich fragen, ob sie bei mir was machen können. So zum Beispiel DJ Rush oder Gene Farris, die kommen dann vorbei und wir spielen was zusammen ein. Sonst arbeite ich mit keinem.

S! Wie ist der Kontakt zum Thomas?

IP: Wie immer, ganz normal. Wir kennen uns seit wir dreizehn sind und haben uns immer gut verstanden. Es gibt ab und zu mal musikalische Diskrepanzen, aber das läßt sich nicht vermeiden.

S! Wie ist jetzt die Situation der Szene in Mainz?

IP: In Mainz gab es noch nie eine richtige Szene. Es gibt hier nur eine Art Anhängerkreis, wo Leute mal abwechselnd mit zu Parties fahren und den Brückenkopf, der ab und zu mal stattfindet, wo dann auch wirklich jeder kommt und wo es auch richtig gut ist. Ich bin auch froh, daß es keine Szene gibt; so habe ich meine Ruhe unter der Woche. Mainz ist eine Stadt, in der Produzenten wohnen, wie der Hoschi, der Attack Man oder der Thomas...

S! Habt ihr Verbindung zu den anderen Produzenten?

IP: Ja. Ich habe für Hoschi gerade einen Remix gemacht der ziemlich gut lief, was mich doch gewundert hat, auch in England ist das gut angekommen. Und so ergibt sich dann, daß ich mal einen Remix mache oder für Hoschi auflege, wenn er mal verhindert ist oder er für mich einspringt. Oder ich mache was für den Thomas Heckmann auf A.F.U. Es gibt also großangelegte Verbindungen.

S! Und wie steht es mit Overdrive?

IP: Für Overdrive habe ich bis jetzt noch nichts gemacht, weil mir auch die Releases nicht so gefallen, sage ich ganz ehrlich. Und das weiß der Andi auch, daß die mir bißchen zu clean sind. Ich weiß nicht, A.F.U. gefällt mir da besser.

S! Ansonsten distanziert ihr euch ja eher von Frankfurt...

IP: In Frankfurt bin ich nur, weil der Achim von Force Inc. dort wohnt und weil ich dort eine Bookingagentur habe,House Infect. Sonst bin ich selten in Frankfurt. Maximal noch, um im Delirium Platten zu kaufen. In dieser Bookingagentur sind nur Leute aus Chicago drin und Detroiter. Es ist eher so eine Art Vermittlung, keine Exklusivbookingagentur die ich zusammen mit Zille und Katja mache. Die Leute sind auch immer verschiedene; ich kriege mal da und mal dort jemanden und viele rufen auch bei mir zu Hause an. Ich weiß gar nicht, wo die alle die Nummer herhaben.

S! Also eine Agentur für DJs aus Übersee...

IP: Ja, genau. Gerade die Chicagoer DJs sind hier sehr beliebt und viele werden auch öfter gebucht.

S! Bist du sonst noch in irgendeiner Weise in der Szene tätig?

IP: Nein. Mir reicht das auch. Ich habe jetzt bis Anfang April jeden Freitag und jeden Samstag was. Hinzu kommt das viele Reisen und unter der Woche das Musikmachen; das reicht. Ich werde in nächster Zeit vielleicht T-Shirts machen, aber dann auch nur in kleineren Stückzahlen um die vierzig. Mit dem Auflegen und Produzieren bin ich eigentlich ausgefüllt.

S! In deiner Diskographie findet sich eine Scheibe, die du zusammen mit Whirlpool aufgenommen hast. Was war der ausschlaggebende Punkt für diese Zusammenarbeit?

IP: Damals konnte man die Leute die House gemacht haben an einer Hand abzählen, weil sich in dieser Zeit kaum jemand dafür interessiert hat. Da wir auf Intense schon einiges veröffentlicht hatten und den Hans Nieswandt sowieso ganz gut kannten, haben wir angefangen uns auszutauschen. Whirlpool hat uns die ganzen Samples geschickt und wir haben ein völlig neues Stück daraus gemacht. Seit sich das so ergeben hat, sind wir öfter in Köln.

S! Eigentlich kaum zu glauben, wenn man sich Ladomat jetzt anschaut. Regelmäßig neue Platten und neue Sounds und insgesamt eine beachtliche Entwicklung....

IP: Ja, Ladomat ist ganz gut. Wobei ich es interessanter finde, in Amerika zu veröffentlichen und die Scheiben dann hierher zu exportieren.

S! Hängt das für dich mit dem allgemeinen Beliebtheitsgrad der amerikanischen Veröffentlichungen zusammen?

IP: Es ist so, daß die einfach fetter klingen. Überhaupt besser rüberkommen. Deswegen finde ich das interessanter. Daher war das Angebot von Definitive das beste, was ich kriegen konnte. Und so versuche ich eben, so viel wie möglich dort zu veröffentlichen (und natürlich auf Force Inc., denn das halte ich nach wie vor für eines der besten Labels hier).

S! Was passiert in Zukunft bei dir, außer den schon angesprochenen Sachen wie dem Album und der E.P.?

IP: Die E.P. erscheint vor dem Album und zwar auf Force Inc. Dann gibt es noch eine auf Plink Plonk, die müßte auch bald herauskommen. Und das Stück für die New Electronica Compilation. Das wärs fürs erste. Ich achte auch darauf, daß nicht zuviel auf einmal herauskommt, sondern daß immer ein bißchen Zeit dazwischenliegt und die Platten auf verschiedenen Labels erscheinen.


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(c) 1995, Sven Haubold (sh4@irz.inf.tu-dresden.de)