k.hand


Wenn jemand mit seinem Debutalbum derart seine Vielfältigkeit unter Beweis stellt und dabei noch auf den ganzen Background seiner Fangemeinde zu Hause verzichtet, um sein Album hier in Deutschland herauszubringen, dann ist dies recht außergewöhnlich. Genau dies hat K. Hand mit ihrem Album getan.

Also frage ich sie nach den Beweggründen ihr Album bei K7 Records zu veröffentlichen: “Das Album habe ich K7 gegeben, weil ich mit ihnen schon in der Vergangenheit an ihren X-Mix Compilationen gearbeitet habe. Und sie schienen immer konsistent und nett zu jedem zu sein, besonders in ihren Statements. Ich denke dies ist sehr wichtig in diesem Geschäft. Ich glaube fest an Karma. What goes around comes around.”

Unsereinen interessiert natürlich ihr musikalischer Einstieg. Wie hast du damals 1988 als DJ angefangen? “Ich war zur Paradise Garage in New York gereist und hatte mir die Platten gekauft, welche ich im Club gehört hatte.” Dies nennt sie den auslösenden Moment nicht ohne mir zu versichern, daß dies am Anfang ja eigentlich nur als Hobby gedacht war. Später werden dann andere DJs auf sie aufmerksam. 1990 wird sie gefragt, ob sie nicht in einem neu eröffneten Club auflegen möchte. Dieses Angebot nahm sie an und damit startete ihre DJ Karriere. “Mit dem Produzieren für Platten habe ich auch 1988 begonnen. Damals fing ich an mit nur einem Keyboard, einem Sampler und einem Sequencer Sounds zu verändern.” Doch ohne Hilfe ist der Schritt zum erfolgreichen Producer unheimlich schwierig, zumal wenn man dabei alle Hürden auf einmal nehmen will, es sei denn man bekommt Unterstützung von den “Halb-Göttern” des Techno: “Dann wurde ich Mike Banks und Jeff Mills vorgestellt. Sie hatten gehört, daß ich Platten machen wollte, sie unterstützten mich weiter bei den Distributern und Toningenieuren und halfen mir bei meinem ersten Release.” So veröffentlichte K. Hand im Mai 1990 als Etat Solid ihre erste Platte “Think About It”.

Ein wirkliches Ereignis ist es K. Hand als DJ zu erleben, wohl selten arbeitet jemand so aggressiv mit dem Equalizer um die Crowd in neue Höhen zu bringen. “Mein DJ-Stil verändert sich in Abhängigkeit vom Club und seinem Publikum.” antwortet sie auf die Frage nach ihrer Art hinter dem Mixer zu stehen. Welche Bedeutung haben für dich die Hi Hats: “Ja ich mag Hi Hats. So lange sie nicht zu hoch sind, bewirken sie das der Sound den man auflegt glatt und knackig wird.” Was macht noch einen guten DJ aus, wodurch wird er zu dem Symbol für eine gute Party? Sind es seine Platten oder ist es die Art und Weise wie er diese für das Publikum darbietet? Die Antwort auf diese Fragen liegt in der Bedeutung die jemand den Platten auf der einen Seite und dem Mixer auf der anderen Seite zukommen läßt. “Ich denke die wichtigsten Werkzeuge für einen DJ sind der Fader, der Equalizer und die Kopfhörer, denn ohne das eine oder andere kann man kein glattes Set für die Zuhörer bringen. Für mich ist auflegen so was wie die Leute auf eine Reise mitzunehmen, und ein lebendiger Partysound wird sich erst dabei einstellen. Ansonsten könnten die Leute genauso zu Hause bleiben und ihren eigenen Platten oder dem Radio zuhören.”

Vergleicht man deutsche oder europäische Label mit den Amerikanischen, und speziell mit den Plattenschmieden in Detroit dann wundert man sich schon, wie es den Amerikanern gelingt einen einzigartigen und ganz eng umgrenzten Sound auf ihren Labels zu veröffentlichen.
Wie erreicht es Kelli Hand einen charakteristischen Sound auf ihrem Label Acacia zu etablieren? Hat sie eine Unmenge an Demomaterial zur Verfügung, aus dem sie auswählen kann oder muß sie ihre Producer auf einen Labelsound trimmen, möchte ich von ihr wissen. “Den Labelsound habe ich mit dem Gehör aufgebaut, es ist wirklich schwer zu erklären, aber ich denke das Umfeld hat eine Menge mit diesem Sound zu tun. Würde ich zum Beispiel auf einer tropischen Insel leben, wäre es schon wahrscheinlicher das ich Songs mit Vogelklängen und einem angenehmer hörbarem Klang machen würde.” Natürlich bekommt sie schon einige Demobänder zum Auswählen, aber die meisten Producer wissen auch welche Art von Musik sie herausbringen würde. So muß sie ihnen nicht vordergründig sagen wie ihre Musik klingen sollte. “Wenn du von vorn herein sagst, wonach die Musik klingen sollte, würde dies auch neue Künstler in ihrer Entwicklung am Boden zerstören.” Welche Qualitäten in der Musik von K. Hand stecken, konnte man schon bei ihrem “Global Warning” auf Warp sehen. Damals wurde endlich auch Europa auf sie aufmerksam. Ich bin gespannt welche Wirkung ihr Debutalbum “On A Journey” haben wird.


zuräck zur HOMEPAGE zuräck zur DATABASE
(c) 1995, Sven Haubold (sh4@irz.inf.tu-dresden.de)