KOXBOX


Nordeuropa holt kräftig auf. Kannte man vor geraumer Zeit nur Labels wie Planet Rythm, Hybrid oder Sähkö so hört man in den jetzigen tagen immer öfter von neuen Labeln und Produzenten. Die beiden Dänen Peter Candy und Frank E. gelten in Kreisen ger Goa-Jünger als wahre Heroen. Mit ihrem Album "Forever After" lieferten die beiden einen Oberkracher. Was man in Dänemark noch so machen kann, außer produzieren, Label managen und Tuborg trinken, darüber sprachen wir mit Frank und Peter.


S! Als ich das erste mal eure LP "Forever After" gehört habe, hat mich das sofort an alte Harthouse-Scheiben erinnert. Irgendwie bringt ihr den Harthouse-Sound, wenn man es mal so nennen möchte, absolut auf den Punkt.

F: Dankeschön.

S! Hat Harthouse euch so beeinflußt? Oder wie kommt das?

P: Schon, aber eigentlich ist es auch schon so unser eigener Sound. Wir stecken jede Menge Kohle in die Produktion. Also im Moment stecken wir wirklich alles, was wir im voraus kriegen in die Produktion.

S! Eure Produktion wird gerne mit Goa-Style umschrieben. Ich weiß aber nicht so richtig. Eigentlich stelle ich mir unter dem Goa-Sound doch immer etwas anders vor. Mehr trancig irgendwie. Eure Sachen sind doch sehr abgefahren, trippig und man findet wirklich jede Menge abgefahrener, overtuneter Sequenzen. Hat das eurer Meinung nach was mit Goa zu tun?

F: Doch, doch es hat schon was damit zu tun. Eigentlich auch wieder nicht. Du kannst eigentlich nur diesen Goa-Style machen, wenn du eben in Goa bist und dort Parties machst. Ich war '82 in Goa, wirklich eine lange Zeit und glaube schon, daß mich das beeinflußt hat. Goa hat natürlich die ganze Technomusik beeinflußt, weil da eben wirklich viele DJs und Musiker eine Party nach der anderen gefeiert haben. Eigentlich bezeichne ich unsere Sachen doch mehr als Psychedelic Dance.

S! Das trifft es ja auch ganz gut. Mystisch und abgefahren.

F: Um unsere Musik zu beschreiben - tja wenn du auf einer guten Party bist, einen guten Trip hast, dann versucht man das umzusetzen. Wir machen wirklich alles selbst. Wir klauen nicht, wir sampeln nicht und versuchen eben immer unseren Koxbox Sound zu treffen.

S! Wie arbeitet ihr? Gibt's bei euch eine Arbeitsteilung?

F: Nein, Peter und ich produzieren die Tracks zusammen. Und dann später gehen wir ins Studio mit Ian Ion, der ja hinter "The Overlords" steckt und mit ihm zusammen wird dann alles fertiggestellt. Sogesehen ist Ian eben der Technikexperte. Er hat jede Menge Equipment und jedes mal wenn wir ins Studio kommen, ist es etwas mehr. Wir haben unsere Ideen und Ian hilft uns dabei, das umzusetzen. Er ist wirklich ein guter Studiotechniker.

S! Erzähl doch mal was über eure Geschichte. Was habt ihr mal gelernt oder als was arbeitet ihr, wie fing es mit eurer Musikmacherei an?

F: Oh, wo soll ich da anfangen.

S! Na, wir wär's denn mit deiner Geburt?

F: O.K., als ich noch ein kleines Kind war hab ich zu Weihnachten eben Weihnachtslieder auf 'nem kleinen Keyboard gespielt, später hab ich dann Harmonika spielen gelernt und noch ein paar andere Instrumente. Kennengelernt hab ich dann Peter später in einer Rockband, da haben wir auch ein Weilchen zusammengespielt. Später haben wir eben New Wave, Acid und all die Richtungen kennengelernt, anfangs der 80er und wir haben uns dafür sehr interessiert. Wir haben Platten gekauft und hatten dann später sogar eine Radiosendung zusammen auf "Radio Gaga". Die hieß "KOX BOX" und wir haben da wöchentlich Acid, Hardbeat, Hardcore und wie das alles damals noch hieß, gespielt. Dann begannen wir Parties zu machen. Wir waren lange Zeit in Goa. Jetzt wollen wir Parties in Dänemark machen. Peter und ich sind auch als DJ's tätig. Wir hatten und haben jede Menge Ideen. Wir konnten damals im Radio schon jede Menge machen. Durch Overlords hatten wir dann auch die Chance richtig Musik zu machen. Mit unseren ersten Produktionen wollten wir dann auch irgendwo unterkommen, da hieß es eben auch manchmal ihr müßt dies und das ändern - ihr müßt etwas housiger werden - solche Sachen, aber wir wollten eben unser Ding machen, Psychadelic Dance.

S! Wo habt ihr die erste Platte veröffentlicht?

F: In England, auf Where is the Party Records.

S! Erzähl doch mal, wie die ganze Technogeschichte in Dänemark so anfing.

F: Also in Mitteleuropa fing es alles natürlich etwas eher an. In Dänemark ging es so '88 richtig los. Auch Peter und ich haben '88 angefangen Parties zu machen. Wir nannten uns "Cosmic Village", bekamen dafür auch richtig Geld von der Kommune. Seit '88 wuchs die gesamte Szene, mehr Parties, auch mehr Geld von der Kommune. Die ganze Sache wurde in Dänemark aber auch wirklich stark durch die Goa-Geschichte beeinflußt.

S! Geld von der Kommune? Unterstützen eure Kommunen solche Projekte wirklich, ja? Bei uns ist es schon schwer eine Party offiziell anzumelden. Ist es einfach bei euch Parties zu machen?

F: Also wir hatten richtig Probleme mit den Behörden, aber das ist schon ein paar Jahre her. Das Hauptproblem war natürlich Ecstasy. Die Behörden sahen ja, was in anderen Ländern so abging und man wollte diese Ecstasy-Geschichte sich nicht auch noch in Dänemark entwickeln lassen. Das war der Hauptgrund, warum man diese Parties nicht wollte. Später fand man dann heraus, das es in Dänemark eigentlich keinen richtigen Markt für Ecstasy gab und man lockerte den Umgang mit uns. Jetzt ist es eigentlich sehr einfach Parties zu machen. Du bekommst Sponsoren, Locations, kaum noch Probleme mit den Bullen, du bekommst 'ne Auschankgenehmigung, es ist wirklich einfacher geworden. Dieses Jahr ist es für Veranstalter bei uns etwas schwerer geworden. Techno ist jetzt so weit gefächert, die Leute entdecken eben ihre Lieblingsstilrichtung und es splittet sich alles ein wenig. Schwer vorherzusagen, was die Leute wollen.

S! Ist die ganze Drogengeschichte bei euch wirklich nicht so stark ausgeprägt, wie bei uns oder wie in England?

F: Nein, nein, wirklich nicht. Ich mein, ein paar Drogen hat man ja immer. In Discotheken, Gay-Clubs und auch auf unseren Parties, aber das ist wirklich nicht so ein großes Problem.

S! Nochmal zurück zu eurem Album. Das Cover ist richtig geil, geht das auch auf euer Konto?

F: Ja. Das ist von einer richtigen Künstlerin für uns gemacht worden. Sie ist ein guter Freund von uns, sie war auch lange Zeit in Goa. Sie macht wirklich eine Menge schöner Dinge und dieses Bild paßt einfach unheimlich gut zu der Musik, die wir machen.

S! Was macht ihr demnächst?

F: Ja, als nächstes kommen jede Menge Live-Acts.

S! Eine richtige Tour?

F: Ja schon. Wir waren gerade in Paris und haben da vor 8000 Leuten gespielt und es war wirklich geil. Wir haben auf einem Festival in Dänemark gespielt, vor 9000-10000 Leuten. Und jetzt geht's in die Schweiz und dann nach London.

S! Ist es für euch wichtig zu touren, eure Musik in anderen Ländern zu präsentieren?

F: Ich meine, wir sind jetzt 5 Jahre dabei Musik zu machen und das kostet Anfangs wirklich eine Menge Geld. Equipment und so. Dann, wie schon gesagt, gehen wir zum Schluß immer in ein großes Studio und das kostet eben alles. Live-Auftritte sind eine coole Variante, das alles zu finanzieren. Du bekommst erstens ein bißchen Geld und zweitens ist es eben auch eine Art von Promotion um ein paar Platten mehr zu verkaufen, ganz klar.

S! Wenn man woanders Auftritt, so bekommt man ja immer eine Menge Eindrücke. Beeinflussen euch solche Gigs bei späteren Produktionen?

F: Glaube ich nicht. Wir haben eigentlich im Kopf, was wir machen wollen. Wir sind eigentlich auch mehr die Typen, die im Studio sitzen, was gutes Rauchen und verrückte Sachen machen. Da kommen dann gleich immer 6-7 neue Tracks raus. Also ich glaube nicht, daß uns das so beeinflußt. Nicht im Moment. Unsere Live-Auftritte sind auch so mehr Spaß für uns. Also wir spielen da so ein wenig herum, es ist jedesmal anders. Wir spielen die Tracks auch nicht so, wie man sie von unseren Platten kennt. Etwas minimaler, grooviger - mit den Originalen manchmal kaum zu vergleichen. Es ist einfach spaßig rumzuspielen und zu sehen, wie die Leute reagieren. Für uns ist das auch richtig wichtig. Dänemark ist so ein kleines Land, eine kleine Szene und es ist daher wirklich sehr schwierig, so richtig Response von den Leuten zu kriegen. Das ist einfacher, wenn du Live auftrittst oder DJ bist.

S! Wie arbeitet ihr auf der Bühne? Richtig live oder Dat oder wie?

F: Das kommt ganz drauf an. Eigentlich kann doch gar keine "Techno-Band" richtig live spielen. Dafür sind es viel zu viele Instrumente und man hat ja bloß zwei Arme! Wir machen das so, wir haben zwei, drei Spuren auf 'nem A-Dat und den Rest machen wir live. Dadurch wird es auch immer etwas anders. Ich würde mal sagen fifty-fifty. Wir können ja auch an den Sound vom A-Dat rumspielen. Das kommt zwar vom Dat, aber wir haben eine Menge von Effektgeräten und dann gehts in den Mixer - man kann also noch dranrumspielen. Wir haben auch schon überlegt mit 'nem Computer zu arbeiten. Aber das ist immer so riskant. Es kann dir so schnell passieren, das die Mühle abstürzt und dann geht wirklich nichts mehr. Das hat man ja oft genug erlebt.

S! Erzähl mir ein wenig über die Produzerlandschft in Dänemark. Ihr habt ja auch selber Labels.

P: Ja, also ich selbst mache im Moment drei Labels. Outloud Rec. und auch Hard Rec., tja im Moment gehen die auch ziemlich gut. Sind jetzt so bei 40 Releases angelangt.

S! Ne ganze Menge, wer veröffentlicht denn bei euch?

P: Eine Menge dänischer Musiker, aber wir haben auch ein paar Deutsche.

S! Gibt's bei euch dafür eine Infrastruktur? Wie sieht es mit Vertrieben aus?

P: Also hier in Dänemark gibt es eigentlich keinen ernsthaften Vertrieb. Bisher waren wir bei einem deutschen Vertrieb, wechseln jetzt aber zu Cleopatra in die Staaten, L.A.. Der Markt in Dänemark ist wirklich sehr klein. Es gibt bei uns auch noch ein paar andere kleine Labels. Die meisten lizensieren aber nur. Ich bin eigentlich der einzige, der richtig auf dänische Acts setzt.

S! Wieviel verkauft ihr denn? Kannst du von deinen Labels und deinen eigenen Produktionen leben?

P: Also von unserer neuen Compilation werden es so 3000-5000 Stück werden. Aber leben kann ich eigentlich nicht davon. Ich jobbe nebenbei in einem Recordshop, Candy Rec.

S! Was habt ihr als nächstes als Koxbox vor?

P: Jetzt kommen erstmal ein paar Remixe für's Album. Ich kann jetzt noch nicht genau sagen von wem alles, weil wir da noch in Verhandlungen sind.

S! Da wünsch ich auch alles Gute! Schönen Dank für's Interview!


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