Ralf Hildenbeutel

S! Du bist letzte Woche mit Earth Nation in England gewesen.

R: Ja, und zwar waren das zwei Mega Dog Veranstaltungen, einmal in London und einmal in Manchester. Wir waren da unter anderem mit Speedy J, Plastic Man und solchen Leuten.

S! In was für einer Größenordnung lief das ab und wie haben die Leute euch angenommen?

R: In Manchester waren so fünfzehnhundert bis zweitausend Leute und in Brixton Academy in London, das war das 10-jährige Mega Dog Jubiläum, waren so viereinhalbtausend. Also das war richtig voll. Das kam sehr gut an und wir werden auf jeden Fall mehr in England machen.

S! Gab es Unterschiede zu ähnlichen Veranstaltungen in Deutschland?

R: Musikalisch gibt es auf jeden Fall einen Unterschied, alles ist nicht so rave-mäßig, dann gibt es sehr viele verschiedene Live Acts zu hören und auch die Ausgestaltung war sehr aufwendig gemacht. Wir hatten eine Wahnsinnsdeko, es wurde viel mit Licht gemacht und solche Sachen.

S! Ist es leicht, bei den Leuten in England anzukommen?

R: Ich glaube nicht, daß es unbedingt ganz leicht ist. Es kommt auch drauf an, wie dein Programm ist, also wo du musikalisch liegst. Der Vorteil bei uns war, daß unsere Sachen musikalisch doch absolut in ihre Richtung gehen und das hat sich dann auch sehr gut gemacht, mit den anderen Acts zusammen.

S! Wir haben vor einiger Zeit in London die Erfahrung gemacht, daß speziell die ganzen deutschen Platten in den Läden eigentlich gar nicht mehr so richtig vertreten sind. R: Nee, gerade in letzter Zeit nicht mehr, weil die Leute damit nichts mehr anfangen können. Es gibt noch die Sachen, die in die Richtung Hardhouse, House gehen, aber so die ganzen Rave-Sachen sieht man eigentlich kaum.

S! Du machst ja nicht nur Earth Nation, sondern auch noch eine Menge anderer Projekte. Erzähl mal, was das so alles ist.

R: Also, da haben wir Cygnus X, wo ich mit dem Matthias Hoffmann gerade ein Album fertig gemacht habe, dann die ganzen Sven Väth Sachen, letztes Jahr so 12 Inch Geschichten, wie zum Beispiel Odyssee Of Noises und hauptsächlich eigentlich Earth Nation.

S! Das Earth Nation Album ist jetzt draußen, was wird es als nächstes geben? Machst du wieder was mit Sven zusammen?

R: Ich bin momentan eigentlich sehr auf mein Ding konzentriert und der Sven macht zur Zeit sehr viel mit dem Steve B-Zet, aber da steckt jetzt nichts weiter dahinter, das ist einfach so, mal hier mal da. Wir haben halt auch sehr viel zusammen gemacht, da muß man dann auch mal wechseln. Ansonsten wird jetzt eine 12 Inch kommen, aus dem Album, mit ein paar Mixen.

S! Mixe von dir?

R: Die meisten sind von mir. Einer ist drauf, der ist von Hallucinogen von Dragon Fly, da hab ich auch einen für die gemacht, aber die anderen sind eigentlich alle von mir.

S! Bei deiner Zusammenarbeit mit Sven gibt es einen Punkt, der sicher eine ganze Menge Leute interessiert. Wie groß ist dein Anteil an der Geschichte und wie läuft die Produktion überhaupt ab?

R: Es ist so, daß der Sven seine ganzen Grundkonzepte und Ideen selber mit einbringt, also von vornherein schon hat, und hier im Studio fangen wir dann an das umzusetzen. Wir spielen uns eigentlich Ping-Pong-mäßig hoch. Das ergänzt sich so auch ganz gut, weil der Sven jetzt nicht irgendwie am Keyboard sitzt. Ich setze das an den Geräten um und er macht dann Geräusche und erklärt und macht. Er macht das ja nun auch schon lange und er hat auch den Plan, obwohl er jetzt einfach nicht derjenige ist, der direkt dransitzt. Aber durch die ganzen Jahre hat er natürlich genug drin, was es so für Sachen und Effekte gibt und wie man das ganze Zeug auch anwendet. Aber für die ganzen Parameter-Geschichten und Einstellungen, dazu bin ich da.

S! Gibt es bei solchen Gemeinschaftsprojekten manchmal einen Punkt wo du sagst, wenn ich das jetzt allein machen könnte, da würde ich hier und dort doch was anderes machen und könnte meine ganzen Ideen in das Stück einfließen lassen?

R: Ich mein', wenn du mit jemandem zusammen arbeitest, ist es eigentlich immer so, daß du dich selbst viel mit einbringst. Aber du bist ja auch offen gegenüber dem anderen und inspirierst dich dadurch. Wenn du mit jemandem zusammenarbeitest und nur dein Ding machen willst, dann brauchst du nicht mit jemandem zusammenzuarbeiten. Deshalb ist es auch nicht möglich, mit jedem zusammenzuarbeiten, da muß schon alles stimmen. Außerdem habe ich ja dann Earth Nation oder auch die Sache auf Recycle Or Die, wo ich komplett meine Ideen ausschöpfen kann. Insofern habe ich da ja den Gegensatz da.

S! In einer älteren Ausgabe der Keyboards war ein Foto von deinem Studio, da sah man eine Menge Keyboards, Sampler usw. Was steht eigentlich alles in deinem Studio?

R: Viel analoges, aber auch digitale Sachen. Eigentlich sehr gemischt. So ganz, ganz uralte Sachen habe ich allerdings nicht, mehr so ab der Generation Oberheim Expander. Das hängt damit zusammen, daß als ich richtig angefangen habe, mir Keyboards zu holen, gerade die DX7 Ära war und die meisten analogen Sachen habe ich mir erst später geholt. Und jetzt wird es immer mehr, zwar auch digital, aber in letzter Zeit doch sehr analog orientiert.

S! Kaufst du dir schnell mal was neues dazu oder versuchst du erst aus den Sachen, die schon da sind das Letzte rauszuholen?

R: Eigentlich kaufe ich mir selten neue Sachen, aber ab und an muß ich schon mal richtig zuschlagen. Ich würde auch kein Gerät kaufen, nur weil mir ein Sound davon gefällt, denn da bin ich inzwischen mit meinem Studio so weit, daß ich mir eigentlich alle Sounds auch selber erstellen kann.

S! Du hast ziemlich zeitig mit der Musik angefangen, bist früher in diversen Schülerbands gewesen, wie kamst du dann zu Techno und wie kam der Kontakt zu Eye Q?

R: Ich habe mit neun Jahren angefangen klassisch Klavier zu lernen, das habe ich dann zehn Jahre gemacht und dann fing ich mit den ersten Schülerbands an und ging dann über Szenebands bis zu den ersten Homerecording Sachen. Damals war das aber alles noch die Richtung Pop und Rock, bis ich dann so '90/'91 mit dem Sven zusammengekommen bin und angefangen habe, für Eye Q die ersten Sachen zu machen.

S! Wie habt ihr euch damals kennengelernt?

R: Das kam über den Matthias Hoffman, der mit dem Sven und Heinz Roth Eye Q gegründet hat. Den kenne ich noch von ganz früher, aus Bandzeiten und er hat mich dann sozusagen dazugeholt.

S! Warst du schon immer Keyboarder oder hast du auch mal andere Instrumente gespielt?

R: Eigentlich immer Keyboard. Ich habe mal ein Jahr Schlagzeug gespielt, das hat mir auch großen Spaß gemacht, aber das hat sich dann wieder von den Möglichkeiten her zerschlagen. Außerdem bin ich eigentlich auch ein Tastenmensch.

S! Hilft so eine klassische Ausbildung bei einem Musikstil wie Techno überhaupt weiter oder muß man die ganzen Sachen wie Harmonielehre und so weiter erst mal schnell wieder vergessen?

R: Ich würde bei mir sagen, daß es absolut hilfreich war. Dadurch ergeben sich viel mehr Horizonterweiterungen, die du dann mit einbringen kannst. Ich denke, man hat viel mehr Möglichkeiten, als wenn man sie nicht hat. Für mich ist das die ganze Basis.

S! Mit dem Album "Thoughts In Past Future" bist du auch beim Montreaux Jazz Festival gewesen. Wie kam dieser interessante Auftritt zustande?

R: Das hat sich ergeben, weil sich einerseits das Montreaux Jazz Festival in den letzten Jahren für neue Strömungen sehr geöffnet hat und der Initiator Claude Knox unsere Geschichte seit einiger Zeit mitverfolgt hat und meinte, das würde mal Sinn machen. Es fällt zwar aus dem Rahmen, aber irgendwie sollte man sowas mal machen. Und so hatten wir dann die Eye Q Night, wo wir von Recycle Or Die über Ambush, Earth Nation bis Sven Väth zum Schluß in der Tiefgarage das ganze Programm gefahren haben. Ein gemischtes Publikum, von den Jazzern bis zu Ravern und das kam eigentlich sehr gut an.

S! Damals war auch noch die Gitarre mit dabei.

R: Ja, damals waren wir noch zu viert mit Gitarre und Bass. Wir hatten ja im ersten Album was mit Gitarre gemacht, haben das einfach ein bißchen zusammengeschmissen und einfach drauflos ausprobiert. Das hat sich dann aber durch die ganzen Liveauftritte immer mehr elektronischer, clubbiger entwickelt, wodurch dann auch dieser Split entstanden ist. Jetzt machen wir die ganzen Livesachen eben zu zweit, ich mit dem Drummer und auf Events eben solchen Geschichten wie in England.

S! Hattet ihr Probleme, wenn ihr in Clubs mit der Gitarre aufgetreten seit oder wie war das?

R: Nee, das hat sich schon gut gemacht, aber der Gitarrist wollte dann einfach nicht mehr weiter in diese Richtung gehen und quasi sagen, ich vergewaltige meine Gitarre mal für ganz andere Sachen. Von daher war es dann eigentlich nicht mehr so sinnvoll.

S! Kam dann doch wieder der alte Rocker durch.

R: Doch irgendwo schon.

S! Warst du damals traurig über die Trennung?

R: Ich fand es damals schon ein bißchen schade, aber ich finde das auch total legitim. Jeder hat so sein Ding und insofern war es auch total ok. Es war auch nicht im Streit oder so, sondern hat sich einfach auseinanderentwickelt.

S! Nun ist die Gitarre in der Technoszene ja so ein bißchen ein Haßinstument. Ich kann mir vorstellen, daß es da sicher sehr interessante Reaktionen auf eure Stücke gegeben hat.

R: Die Reaktionen waren sehr geteilt. Von den einen, die damit überhaupt nichts anfangen konnten, das waren hauptsächlich Leute aus der Technoszenerie, bis zu den Leuten, die es angesprochen hat, die vorher meistens überhaupt nichts zu tun hatten mit dem Techno-Musikstil. Wodurch es an sie herangebracht wurde. Ansonsten hat man das ja auch in den Kritiken gesehen, da war von schwarz bis weiß alles dabei.

Discographie

Caramboulage (Soundtrack)
Nimm die Spinnen weg (Soundtrack)
Dreams of Amadeus Album - Millenium
Me Voy Sonado - Mignon feat. Esra
Time Goes By - Tony Baez
Zyon Album - Zyon
My Name Is Barbarella - Barbarella
Barbarella Album - Barbarella
Accident In Paradise Album - Sven Väth
Diverse - Badesalz
Looking Beyond Album - Ralf Hildenbeutel
Lucifer - Odyssee Of Noises
The Secrets Of Love - Progressive Attack
Progressive Attack II - Progressive Attack
Curare - Curare
Superstring - Cygnus X
The Essence Of Nature - The Essence Of Nature
Firedance - Odyssee Of Noises
Thoughts In Past Future Album - Earth Nation
Alienated Rmxs - Earth Nation
The Journey/Inner Peace - A Mission Into Drums
Live In Montreaux (Promo CD) - Earth Nation
The Harlekin, The Robot...Album - Sven Väth
Last Caprioles - Odyssee Of Noises
Hypermetrical Album - Cygnus X
Terra Incognita Album - Earth Nation


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