Martin Damm ist zur Zeit einer der vielfältigsten deutschen Acts, der unter den veschiedensten Projektnamen in den verschiedensten Stilrichtungen tätig ist. Die meisten kennen ihn wohl als den Speedfreak oder vielleicht als Search & Destroy und vielleicht nicht ganz so viele als Biochip C. Natürlich hat Martin Damm sein eigenes Label, Napalm und er legt als DJ Fistfuck Platten auf.

S! Die erste Frage ist die obligatorische nach dem Anfang: Wie bist du zu Musik im allgemeinen und speziell elektronischer gekommen?

MD: Mit vier haben mich meine Eltern zum Klavierunterricht geschickt und das habe ich über mich ergehen lassen, bis ich 10 war. Ich hab' in meiner Kinderzeit halt Klavier gespielt statt Fußball, aber irgendwie war das doch nicht so das Wahre. Mit 10 hatte ich dann echt keinen Bock mehr und habe ein Jahr lang Gitarre gespielt. Aber das war's auch nicht und danach wollte ich erstmal gar nichts mit Musik zu tun haben. Ich kann halt Noten lesen und dir alles mögliche spielen, aber danach fragt keiner mehr. Irgendwann habe ich dann angefangen, mich als Remixer zu betätigen für einen hier ansässigen Radiosender. Dort gab es dann einen Sampler und zwei, drei Synthesizer und `90 ist dann die erste Platte entstanden. Mittlerweile gibt es etwa 120 Produktionen von mir.

S! Die unter den verschiedensten Projekten erschienen sind. Welche Projekte sind das im Einzelnen und welches war das erste?

MD: Die einzelnen Projekte sind Biochip C auf Force Inc., das auch das erste war, Speedfreak auf Shockwave und Search & Destroy auf Mokum.

S! Wo siehst du die Funktion von diesem Happy Hardcore Sound, den ihr veröffentlicht oder den Mokum veröffentlicht?

MD: Ich sehe die Shockwave - Sachen nicht ernst, das darf man einfach nicht ernst nehmen. Auch die ganzen Search & Destroy - Platten darf man nicht ernst nehmen, das verarscht einfach. Es soll einfach nur Spaß sein. Wieviel Spaß macht es, irgend eine Platte zu hören, vielleicht von Elstak mit 160 BPM und irgendeinem Hook und ein paar Sequenzen drin; das ist uninteressant, das hört man doch oft genug. Es liegt nahe, daß ich das sage, aber Mokum ist echt das einzige holländische Label, mit dem ich noch was anfangen kann. Wichtig bei dieser Musik ist auch die Fülle; in jedem Shockwave - Track ist doch jede Menge Zeug drin, was verarscht wird.

S! Eben diese Vielfalt ist ja immer wieder das Beeindruckende...

MD: Und auf der anderen Seite ist Napalm, was noch richtigen Hardcore verkörpert, was ohne die ganzen Vocals und ohne Hooks auskommt; ohne all die Dinge, die derzeit aus Holland kommen. Ravesounds und so, darauf verzichten wir bei Napalm und machen richtigen undergroundigen Hardcore.

S! Ich verstehe Sachen wie "Never Surrender" oder "Live In Smolensk" als Karikaturen auf die ganzen Mißbildungen in Richtung Popmusik innerhalb der Musik.

MD: Ja, genau. Ganz speziell Search & Destroy. Du wirst das Projekt nie irgendeinem Stil unterordnen können. Wenn du den "Iron Man" - Track hörst, der auf `ner früheren Maxi drauf ist, da ist alles drin: Breakbeats, irgendein kindischer Gesang, es ist Acid drin, es ist alles drin. Es steht zwischen allen Stühlen und entwickelt gerade dadurch eine gewisse Eigenständigkeit. Und entweder man hat diese Art von Humor oder man kann damit nix anfangen.

S! Zum Thema Hardcore: In der Pionierzeit des Techno war Hardcore doch eher langsam, beinhaltete dafür aber um so krassere Sounds. Warum geht das heute nicht mehr, warum besteht Härte heute vielmehr in hoher Geschwindigkeit?

MD: Das ist an und für sich das, wo es wieder hingehen soll, beziehungsweise wo wir es wieder hinbringen wollen. Früher war Hardcore schon langsam und hat sich, wie du gesagt hast, durch verzerrte Sounds definiert. Das war damals in Holland genauso, nur haben die sich auf einer Richtung festgefahren, wo es irgendwann nicht mehr weiter ging. Das rechne ich definitiv nicht mehr zu Hardcore, da ist nix Hartes mehr drin. Für uns als Napalm stellt sich dann natürlich die Frage. Wir wollen hart sein und ich sehe Härte auch nicht im Tempo, aber wenn du die Tracks langsam machst, landest du wieder bei den Holland - DJ's, die ihre kommerziellen Happy Hardcore - Sachen auch nicht mehr so schnell machen. Also machen wir unsere Sachen schneller. Ich finde, Hardcore lebt von den Sounds und man sollte Härte nicht mit Tempo gleichsetzen.

S! Das denke ich eben auch. Wie wird sich der Sound von Speedfreak weiterentwickeln?

MD: Ich möchte halt schon woandershin momentan. Bei dem nächsten Speedfreak - Doppelvinyl wird eine Platte dabei sein, mit der die DJ's, die sonst Speedfreak - Platten spielen, nichts anfangen können. Es soll mehr analoge Sounds geben. Ich habe jetzt eine Speedfreak auf Drop Bass Network herausgebracht, "Slaughter Massacre Vol. 1", die ganz anders ist; mehr analoge Sounds und auch experimenteller. Andererseits möchte ich keine Speedfreak machen, die nur analog ist, denn es soll ja irgendwo immer lustig sein und da ist bei den analogen Sachen kein Platz für.

S! Was sind die Kriterien, nach denen du entscheidest, welches Stück unter welchem Namen auf welchem Label erscheint?

MD: Das mache ich nicht so, daß ich erst produziere und dann entscheide, wo was erscheint, sondern ich überlege mir, ich mach' jetzt eine Speedfreak und da gibt es ein bestimmtes Konzept, wonach dann produziert wird.

S! Du hat schon das Debüt auf Drop Bass Network angesprochen, dann veröffentlichst du hauptsächlich auf Force Inc. und Shockwave...

MD: ...Napalm und Enodyne. Das ist mein Label als Biochip C. und dort erscheint gemäßigterer Acid. Und dann mache ich noch Ozon mit Jammin Unit zusammen, das ist auch sehr analog.

S! Seid auch die einzigen, die dort veröffentlichen?

MD: Nein, da kommt auch überhaupt sehr sporadisch was raus; das Label gibt es schon ein dreiviertel Jahr und jetzt kommt das dritte Release, das ist vom Khan, dem Bruder von Jammin. Enodyne mache ich mehr für mich. Die 3 war von Leuten aus Suhl, die 4 war eine Biochip C. Picture Disc und die 5 wird eine CD mit einem Video auf CD-ROM. Ich mache sehr viel Design und die Grafik für die ganzen Labels und nebenbei auch Videos. Davon wird es in nächster Zeit auch mehr geben.

S! Wie sieht so ein Video aus? Sind das richtige Geschichten?

MD: Ausschließlich computeranimiert. Es hat schon ein Konzept, also es ist kein blinkendes Chaos, hintereinandergeschnitten, es gibt da schon eine Story. Nur ist es eben ein riesiger Aufwand.

S! Du bist ja auf den verschiedensten musikalischen Gebieten tätig. Gibt es etwas, was ganz anders ist und was du gern mal machen würdest? Vielleicht eine Ambientplatte?

MD: Also Ambient definitiv nicht, weil das interessiert mich nicht. Die Platte, die ich auf Mille Plateaux gemacht habe, war das größte Zugeständnis in Richtung Ambient. Ich erwarte von Musik nicht irgendeinen Background - Geplätscher oder irgendwelche Geräuschcollagen. Ich finde, Musik sollte doch eine Funktion haben, Aufmerksamkeit erwecken, damit man sie sich anhören kann. Das fehlt mir bei den meisten Ambientsachen, das ist alles mehr Backgroundgeplätscher. Ich will das machen, was mir gefällt. Ich will die Platten auch auflegen, als DJ und dahinterstehen.


Biosfear (Bio's Studio)

SYNTHESIZER
Ropland SH101(*3), M202,TB303(*2), D70, D110, JD800, JX-3P, Alpha Juno 1, Juno-106, Promars, Casio CZ-101, MT-40, VL-10, Sequential Circuits Sixtrak, Yamaha CS-01, FB-01(*2), Korg Sigma, Mono/Poly, MS-10, MS-50, Poly 800, Novation Bass Station, Clavia Nord Lead(12 Voices), Quasimidi Quasar(+2 Extension Boards), E-Mu Vintage Keys+, Doepfer MS-404/Elka Synthex, Waldorf Microwave +Access Programmer
DRUMCOMPUTER
Roland TR606, TR707, TR727, TR808, TR909, CR78, R8M, Alesis HR-16, Casio RZ-1, Sequential Circuits Drumtraks, Simmons Claptrap
SAMPLING
E-Mu Emulator IV, Casio FZ-1, Roland DJ-70, E-Mu SP-1200
FX
Roland DEP-3, Zoom 9120, Boss SE-50(*2), PS-2, PH-2, Alesis Quadraverb, Viscount EFX-1, Evans Echopet EP-50, Allsound FH-36
RECORDING & MASTERING
SPL CEQ42 Optimizer, Roland SN-550 Noise Eliminator, Aphex Aural Exciter Type C, Akai DR8 + 2 GB HD, Tascam DA-30 MK II Dat, Sony DTC-670 Dat, Alesis Dat
SEQUENCING & SYNC
Atari 1040 STF (2MB) & Midex+, Kawai Q-80, Friecke MFS-601, Doepfer MSY-1, MCV-1, MCV-8
MIXING
Tascam M-2425, Kawai MX-16, Yamaha AM-802, Boss MX-10, Vivanco MX-310
PLUS
Kawai MAV-8 Patchbay(*2), Tascam PB-32 Patchbay, Musitronics SCP 1 Programmer


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