Steve Bug


S! "Raw Elements" tauchte ja erstmals auf jener Compilation "Raw Elements Vol.1 auf, damals noch richtig offiziell auf Superstition. War das damals schon so der Start auch für das Label Raw Elements - war euch das damals schon klar, daß das jetzt folgen mußte?

SB: Nee, das war eigentlich gar nicht klar in dem Moment. Ansich sollte es nur eine Compilation werden wo das drauf kam, was ich von Superstition echt gut fand und was auf Compilations bisher nie erschienen war. Es sollte einfach auch den Leuten zeigen, daß da auch noch was anderes passiert.

S! Wer ist auf die Idee gekommen?

SB: Tobias, ich glaube er hat schon immer Interesse an der Musik. Das Problem an dieser Art von Musik war nur und deshalb haben wir es im Endeffekt jetzt auch selber in die Hand genommen - das Problem war und ist, daß die Leute einfach ein Identifikationsproblem haben. Gerade in Deutschland brauchen die Leute echt Schubladen und wenn du die aufmachst, dann ist da auch überall das gleiche drin und dann funktioniert das auch, aber sobald etwas ein bißchen aus dem Rahmen fällt kommt keiner mit klar. Ich hab das ja selbst bemerkt bei meinen Releases auf Superstition, wo mich Leute gefragt haben, was ich auf Superstition machen würde und wo andere gesagt haben, was das soll das hier auf dem Label. Und deshalb sind wir dann auch darauf gekommen unser eigenes Ding zu machen, um damit einfach auch weiter zu kommen.

S! Das heißt dann, daß von Steve Bug auf Superstition selbst nichts mehr erscheint?

SB: Genau. Das ist alles jetzt Raw Elements. Das Label ist ja nun eigentlich für meine Sachen gemacht und natürlich für andere Acts, von denen wir gutes Material bekommen, was dazu passt.

S! Zu deinen Projekten. Da ist Steve Bug klar, SB Entertainment, Goldfinger, Clever und Smart, Phax.

SB: Phax ist mehr Henrys Projekt.

S! Machst du mit ihm wieder was?

SB: Wir haben uns erst letzte Woche getroffen und überlegt, ob wir nicht wieder mal - ja wahrscheinlich. Aber zur Zeit mach ich gerade meine LP und danach wollte ich eigentlich erst mal nichts machen - mich ein wenig rar machen. Im Moment mache ich doch eine ganze Menge und eigentlich halte ich nicht so viel davon, jede Woche eine Platte auf den Markt zu bringen.

S! Das Album kommt dann auch auf Raw Elements?

SB: Ja, das kommt wahrscheinlich im September, davor, so im Sommer, kommt noch eine neue SB Entertainment. Die wird etwas housiger denke ich. SB Entertainment ist auch so ne Sache. Den Plattenkritiken nach haben die wenigsten Leute verstanden, daß das einfach mal andere Musik ist. Ich hab irgendwie einen drauf gekriegt, nach dem Motto: "Steve Bug ...versucht sich jetzt auch mit House...." und so. Ich hätte mir einfach ein anderes Pseudonym für ausdenken sollen, oder meinen Namen gar nicht draufschreiben sollen. Ich finde das irgendwie schade, weil da genau wieder diese blöden Schubladen sind. Wenn die Leute dich einmal irgendwo reingesteckt haben und du machst mal was anderes - kommt keiner mehr mit klar. Oder nur wenig Leute kommen mit klar.

S! Tja, Bug als Marke, wo keiner drumrumkommt. Wie bist du eigentlich überhaupt zu Superstition gekommen?

SB: Durch Henry, das war ja damals die erste Platte, so Phax feat. Steve Bug. Ne Mischung aus Trance und Techno. Dann die Goldfinger. Da bin ich zweimal bei Tobias gewesen. Das erste Mal wollte er sie nicht und dann wollte er sie doch. Später hab ich mir dann mein eigenes Equipment gekauft und losgelegt - zu der Zeit hatte ich dann schon die Booking-Agentur bei Superstition gemacht.

S! Machst du das eigentlich heute auch noch?

SB: Nee, nee schon lange nicht mehr. Das war mir zu stressig - DJ's sind zu anstrengend. Was so Flüge angeht und Hotels und so was.

S! In wie weit?

SB: Jeder was anderes. Jeder - ich will da fliegen und ich will nicht mit denen fliegen und auch nicht mit denen und ich will das Hotel nicht und ich brauche dieses und jenes - lauter so ein Kleinkram, der mich nie interessiert hat.

S! Wer war da am nervigsten?

SB: (Lacht sich fast kaputt) Das sag ich jetzt nicht! Nö, nö - das wissen die Leute schon selber. Fakt ist, ich mach den Job seit Ende 94 nicht mehr.

S! Wenn man deine Biografie liest, dann steht da so was wie "... und dann hat er sich Equipment gekauft und dann gings mit Steve Bug erst richtig los...", was war das für Equipment?

SB: Einen JD 800, einen Maci 1604, einen Atari und ne R8 und den Sequential Drum Tracks.

S! Wer hat dich ans Produzieren rangeführt - Gerret oder Henry?

SB: Mit Henry, das war schon recht spaßig, aber da hat Henry schon die Hauptarbeit geleistet. Und bei Goldfinger, hat auch Gerret mehr gemacht als ich, zwar nach dem wie ich es ihm gesagt habe - aber da hab ich selbst noch nicht so viel leisten können. Im Endeffekt bringt man sich das selbst bei, in dem Moment, wo man vor den Maschinen sitzt und probiert. Man kann das glaub ich, niemanden so genau zeigen, auch weil jeder anders arbeitet. Ich arbeite total anders als Gerret.

S! Und wie ist das jetzt, wenn du zusammen mit Cle (Big Jim vs Ken "Po Sex Barbie") oder Acid Maria (erste Raw Elements) arbeitest?

SB: (Lacht sich schon wieder halb tot) Bei Acid Maria (und er kann sich schon wieder nicht halten)... da ist ein echt guter Nährboden. Wir haben jetzt auch schon eine zweite produziert. Bei der ersten fand ich eigentlich, daß ich da sehr viele Kompromisse eingegangen bin - da war zwar viel dabei was mir auch gefallen hat, im Endeffekt habe ich aber schon das gemacht, was sie wollte. Wenn ich sie mir heute anhöre, dann höre ich mich echt nur zu 50%. Also sie gefällt mir auch eben zu 50%, wobei mir natürlich meine Sachen immer zu 100% gefallen. Aber jetzt die neue, da muß ich sagen, die ist sowohl 100% Acid Maria und auch 100% Steve Bug. Sind dann also 200%. Eine 200%ige Platte - es lohnt sich also!!!!
Mit Cle ist das was anderes. Der ist mehr so housig und mehr so ....mehr so .....(grinst sein dunkelstes Grinsen) ...auch nett. Mittlerweile mache ich für Cle nur noch die Editierung, also die Abmischung. Cle hat mittlerweile ein Soloprojekt. Big Jim vs Ken war eigentlich mehr so ein Spaßding.

S! Wie bist du drauf gekommen, mit Acid Maria ein Projekt zu machen. Wegen der Optik ...

SB: Ich kenn sie seit 90/91, da hab ich auch Olaf und so aus München auf Ibiza kennengelernt. Seit dem haben wir uns immer wieder gesehen und so. Sie hat angefangen aufzulegen und irgendwann wollte sie dann auch mal produzieren und war bei mir und siehe da, wir haben auch ne Platte zustande gekriegt.

S! Legst du eigentlich eigene Sachen auf?

SB: Selten, weil in dem Moment, wo die Sachen endlich draußen sind habe ich sie so oft gehört, das ich sie satt habe. Also Musik muß mich immer kicken, in dem Moment wo ich sie spiele. Ein paar Nummern spiele ich schon, aber im Großen und Ganzen bin ich natürlich glücklicher, wenn jemand anders sie spielt. Ich selbst hab mich so überhört, daß mir auch ständig, wenn ich eignes wieder höre, so Sachen auffallen, ja hier - die Snare zu laut, die Bassdrum zu leise - ich kann dazu dann nicht abfahren - es sei denn natürlich die Leute fahren drauf ab, wenn du sie spielst und dann kann ich auch.

S! Bist du Perfektionist?

SB: Ne, ich glaub nicht.

S! Wie bist du zum Auflegen gekommen? Hattest du ein Schlüsselerlebnis?

SB: Ich habe angefangen zu Hause aufzulegen, schon nachdem ich das erste mal im Front war und House gehört habe. Ich habe Platten gekauft und damals mit einem Tape und einem Plattenspieler, ohne Pitch und so angefangen. Später kam dann der zweite Plattenspieler. Irgendwie habe ich mich schon immer für Musik interessiert und viel gemixt und gemacht irgendwie. Und dann kam schon so ein Schlüsselerlebnis. Ich war im Sommer wieder auf Ibiza, klar und dort wußte ich, ich muß jetzt anfangen aufzulegen, irgendwie. Nicht nur so zu Hause, sondern eben richtig. Zusammen mit einem Freund von mir aus Bremen haben wir dann angefangen Parties zu machen, wo ich dann auch aufgelegt habe. Und dann gings weiter.

S! Und inzwischen bist du richtig gut. Die Leute hier im Base haben zwar eine ganze Weile gebraucht um darauf zu kommen, aber dann gings ja richtig rund.

SB: Ich weiß nicht, ich habe heute selber ziemlich lange gebraucht um drauf zu kommen. Bis dann diese Rob Acid Nummer mit der gebrochenen Baseline lief, dann gings, aber vorher hatte ich ... tja, ich glaube, ich brauche immer lange ... ja, eigentlich schon. Deswegen mag ich auch lieber länger auflegen, mindestens 3-4 Stunden, wenn's kürzer ist bin ich wirklich meist unzufrieden danach. Aber ich muß sagen, daß es mir hier wirklich super gefallen hat. Ich hab auch ein paar interesannte Frauen gesehen ... und 'n Menge interessanter Typen.
Als ich das letzte Mal in Dresden war, habe ich im Exit aufgelegt, dort war es so naja. Jedenfalls bin ich dann noch auf so eine illegale Party auf der - hieß glaub ich Erfurter Straße und da war ich ehrlich gesagt völlig perplex. Von den Leuten her, ich konnte mir gar nicht vorstellen, das neben diesem Exit da noch was so Großartiges passieren kann. War ich sicher etwas voreingenommen. Bin jedenfalls in die Location - und ich war hin und weg. Schon die Location und auch schon die Anfahrt dorthin, alles irgendwie supercool. Es war genau das, was in anderen Städten mittlerweile komplett fehlt. Überwältigend - hab dann in Hamburg auch noch ne ganze Weile rumerzählt, Dresden - coole Leute, illegale Parties - obergeil. War wie in Berlin vor drei vier Jahren. Die Leute noch individuell gestaltet. Ich hasse uniformierte Raver.

S! Hast du in Hamburg irgendwo noch einen Stammclub?

SB: Nee, wir haben zwar versucht in Hamburg einen Club selber zu machen, am Freitag - Hamburg ist aber für diese Musik nicht ganz einfach. Diese minimale Houseschiene kann man kaum wöchentlich machen, als special events vielleicht aber es geht wöchentlich nicht. Es ist, glaube ich, zu uninteressant für die Leute. Die stehen zwar schon auf die Musik, aber es sind nicht genug da, das sie jede Woche einen Laden füllen.

S! Es ist schon nach wie vor so, daß man um House in Hamburg nicht drumherum kommt?

SB: Keine Chance! House hat in Hamburg eine Tradition. Da liefen früher halt die Chicago-Sachen, kombiniert mit House Musik und das ist im Front groß geworden und hat sich tierisch verbreitet bei uns. Boris Dlugosch hatte den Laden übernommen, vorher hat Klaus Stockhausen dort aufgelegt und irgendwann ist es über die Grenzen des Ladens herausgeschossen und mittlerweile ist es auch durch Container sehr gefeatert worden. HouseFrau, Daniel Klein und so weiter. House wird total gepusht in der Stadt. Es gibt einfach eine Menge Leute, die drauf stehen und sich wirklich den Arsch aufreißen um House zu powern. Das fehlt einfach bei anderen Richtungen in der Stadt. O.K. Trance ist mittlrweile ein Selbstläufer geworden. Jetzt nicht unbedingt weil es gepusht wird, sondern eher weil auf Trance einfach eine Menge Leute stehen, schon deshalb weil diese Musik so leicht konzipiert ist, das bestimmte Leute auch drauf abfahren müssen.

S! Was umfaßt deine Arbeit für Raw Elements eigentlich genau?

SB: Erstmal die Releases. Was kommt raus und so. Dann das Artwork zusammen mit dem Designer/Layouter oder wie heißt das - egal. Tja und (grins) steh dafür halt in der Öffentlichkeit und halt mein Gesicht dafür hin. In einem Satz gesagt, bin ich also mehr oder weniger für das Labelprofil verantwortlich. Dem Label das Aussehen und die Musik geben.

S! Und wen stellst du dir in Zukunft auf Raw Elements vor?

SB: Es sollen Leute gefeaturet werden, die es meiner Meinung nach wert sind gefeaturet zu werden. Es gibt viel zu viele gute Leute, die nicht die Chance haben überhaupt irgendwie Platten zu veröffentlichen. Und die Leute auch weiterzubringen und auch zusammenzubringen. Musikalisch will ich aber doch offen bleiben. Ich denke es muß auf jeden Fall ziemlich raughe unfertige, also minimale unfertige Musik sein. Ich steh überhaupt nicht auf super ausproduzierte Sachen, also die langweilen mich total. Ich finde eine Platte muß Ecken und Kanten haben, sonst hat es einfach kein Feeling. Es muß grooven, es muß Sex haben und es muß minimal sein und dann ... Raw Elements!

S! Wenn ich so deine Tracks höre, dann finde ich da immer noch so ne Spur Funk drin. Woher kommt das? Liegt das an deinen Roots?

SB: Also, an das erste woran ich mich da erinnern kann ist, (grins) aus meiner BMX Zeit, wo wir Breakdance gehört haben und auf der Straße so wild rumgebreakt haben. Danach kam eigentlich eine Zeit, wo ich jede Menge LP's gehört habe: Cure, Depeche Mode, Simple Minds. Und dann die übelste Diskomusik die man sich vorstellen kann (lacht) ... Prince...Michael Jackson... Ich hab dann tatsächlich auch ne Zeitlang Funk gehört, aber eigentlich nur, weil ich mit Leuten unterwegs war die drauf gestanden haben. Ich muß sagen, das mir diese Musik nie so richtig zugesagt hat, es gibt Elemente die ich da sehr interesant finde. Ich hab schon immer auf Sachen gestanden die grooven und die einen so vom Kopf her wegtragen. So monotone, sich wiederholende Sachen - ja die ersten Simple Minds LP's sind da zum Beispiel auschlaggebend gewesen.

S! Wenn du produziert, weißt du im vornherein was du machen willst?

SB: Manchmal ja, manchmal nein. Manchmal hänge ich halt rum, Scheißwetter, im Fernsehen läuft auch nichts und jetzt soll ich noch produzieren. Und dann entsteht aber auch meistens nichts. Es sei denn, es kommt per Zufall ein geniales Ding, was einen packt. Eine Line oder ein Basslauf, so was. Dann mache ich weiter. Aber eigentlich hab ich so grundsätzliche Ideen, in welche Richtung es gehen soll. Es weicht aber dann im Prozeß selbst auch stark ab. In dem Moment, wo man vorher genau weiß was man machen will, dann ist das auch langweilig und - und das ist wichtig - wahrscheinlich schon dagewesen. Einfach weil man alles, was man hört, verarbeitet. Deshalb denke ich, daß in dem Moment in dem man was im Kopf hat, was man umsetzen will, kann es nur etwas sein, was man schonmal gehört hat. Man muß an den Maschinen rumbasteln, bis es einen kickt und dann weitermachen. Wenn man wirklich schon alles im Kopf parat hat, auch Sounds und so, dann macht man wirklich zu sehr Sachen die schon mal dagewesen sind.

S! Hebst du dir Patterns oder irgendwelche Sounds auf, die gerade nicht in einen Track gepaßt haben?

SB: Ja, klar. Und ich bin jetzt wegen der LP auch wieder dabei, alles durchzuhören und habe da schon eine Menge interesannter Sachen wiederentdeckt. Manchmal ist es beim Produzieren ja auch so, daß man etwas geil findet, aber damit nicht weiterkommt. Und nach einer Weile Abstand wirds dann supergeil.

S! Gibt es eine bestimmte Person, der du fertigproduzierte Sachen als erstes zeigst? Oder testest du deine Stücke überhaupt an jemanden aus?

(ein ziemlich großaugiges Etwas klopft an die Scheibe - Steve kurbelt - das Etwas fragt nach Dope - Steve kurbelt wieder und lacht sich halb tot)

SB: Es gibt immer wieder Stücke die ich den Leuten vorspiele, wo mich im Grunde genommen die Meinung zwar interessiert, sie mir aber eigentlich egal ist. Wenn es mir gefällt, dann bringe ich es raus. Und auch wenn jemand sagt es ist superscheiße. Mir gefällt's und das muß ich jetzt rausbringen.

S! Was würde denn passieren, wenn du mit deinem DAT für die nächste bei der Freibank ankommst und die würden es entsetzlich finden?

SB: An sich ist das noch nie passiert. Na gut, doch. Bei Goldfinger. Und ja, auch bei Thee Blak Label. Für die sollte ich auch was machen, hab ich auch, die Tracks sind aber komplett abgelehnt worden. Die hab ich jetzt selbst rausgebracht bis auf zwei, mit denen komme ich jetzt sogar selbst nicht mehr klar. Aber ich habe neue Sachen für Thee Blak und die kommen im Mai raus.
Wenn aber jemand etwas ablehnt was man selbst gemacht hat, dann überlegt man aber in dem Moment noch mal, ob es vielleicht doch nicht so gut ist. Dann muß man es eben nach etwas Abstand nochmal hören. Und wenn man dann immer noch meint, das es gut ist, dann muß man es einfach rausbringen. Und wenn ich es zum Schluß alleine presse, 50 Stück und nur für mich oder ein paar Freunde. Wenn ich meine es muß auf Platte, dann muß es auf Platte.

S! Auf Rising High ist ja auch was von dir erschienen.

SB: Ja, das waren Tracks von meinen ersten beiden Platten auf Superstition, die ich dann selbst noch geremixt habe.

S! Sind die gut gelaufen?

SB: Ich hab noch keine Abrechungen gesehen. Ich denke aber schon, daß die gut gelaufen sind. In Deutschland hat man zwar nicht viel davon gesehen - es kommen heute noch viele zu mir und wollen die haben, ich habe aber leider auch selber keine mehr.

S! Bei deiner Vorliebe für minimale Housemusik müßte man ja annehmen, daß deine Sachen im Ausland auch gut laufen. Hast du einen Überblick, wie das so weltweit verteilt ist - ob es da irgendwelche Hochburgen gibt, oder so?

SB: Nö, ich glaube das ist überall gleich wenig. Ich kriege von vielen Leuten zwar gute Feedbacks, aber im Grunde genommen - Verkaufszahlenmäßig - ist es ... ich weiß ja nicht was andere Label so von minimalen Sachen verkaufen. Aber da gibt es ja auch immer Ausnahmen, Tracks die eben eine Spur besser sind, die es dann auch wert sind, mit Remixen und so noch mal zu bringen. Es erscheinen ja aber gleichfalls auch etliche solcher Scheiben auf einmal und es ist schon schwer, da den Überblick zu behalten. Vielleicht sind es bei uns ja auch immer dieselben Leute die unsere Platten kaufen. Um wirklich viel mehr zu verkaufen, braucht man schon einen Überhype, glaub ich. Aber auf den kann ich dann doch auch verzichten. Da verkauf ich lieber weniger Platten. Und weiß, daß die Leute wenigstens ehrlich sind. Man soll meine Platten kaufen weil man meine Musik mag und nicht weil man denkt ich wäre gerade der Held, weil ich zum Beispiel gerade auf der Mayday auflege oder was weiß ich noch. Auf solche Leute konnte ich eigentlich schon immer verzichten und möchte ich eigentlich auch in Zukunft. Das muß ich einfach nicht haben, so geldgierig bin ich nicht.

S! Die Frage war deswegen, weil man von deinem Musikstil ausgehend meinen könnte, daß deine Sachen in den Staaten zum Beispiel besser gehen müßten.

SB: Na gut, aber der Markt in den Staaten ist ja aber doch sehr klein. Kleiner als der in Deutschland. Die meisten Amis haben ja hier in Deutschland mehr Erfolg als in den Staaten. Dort läuft ja wirklich nur House richtig gut. So Frankie Nuckles und Armando, der ist auch einer der wenigen, die dort oft auflegen. So gesehen ist Deutschland für uns natürlich am wichtigsten.

S! Gibt es ein Label, auf dem du gerne was rausbringen würdest?

SB: Eine zeitlang wollte ich unbedingt auf diesem oder jenem Label veröffentlichen - mittlerweile ist mir das aber ziemlich egal. O.K. es gibt schon ein paar Labels, wo ich mich freuen würde wenn die auf mich zukämen, ob ich nicht Lust hätte und so. Im Grunde genommen ist es egal wo die Platte rauskommt, es muß nur einigermaßen in den Rahmen passen.
Ich glaube aber auch, das man in Deutschland jetzt nicht auch noch so die Labels untereinander austauschen muß. Als Steve Bug würde ich auf einem anderen Label in Deutschland, wenn denn da Anfragen wären, sei es nun Force Inc oder Disko B ... nichts machen. O.K. die Thee Blak Label Geschichte kommt auch als Steve Bug, aber das sind einmalige Sachen. Steve Bug ist Raw Elements und wird auch dableiben. Aber vielleicht wird es da immer ein paar andere Sachen geben, mal sehen.

S! Wie gefallen dir die Fred Gianelli Remixe von deinen Tracks?

SB: Ja, zwei davon sehr gut. Aber das ist auch irgendwie so ein Ding, weil die Sachen einfach anders interpretiert sind und das muß mir ja nicht zwangsläufig gefallen. Bei Remixen geht es ja einfach darum, den gleichen Stoff irgendwie anders nochmal umzusetzen und es war auf jeden Fall eine interessante Umsetzung. Auch wenn ich jetzt nicht superbegeistert war von allen Tracks - zwei davon habe ich immer gern gespielt. Es ist schon reizvoll Remixe von seinen eigenen Sachen zu hören, weil man merkt was andere Leute in seine Sachen reininterpretieren. Man selber arbeitet so lange an den Tracks und dann ist es einfach reizvoll es nochmal neu von jemand anderem zu hören.


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