WOODY Mc Bride


Anlaß für ein solches Portrait gibt es eigentlich genug; hauptsächlich ist es die eigenwillige Art von Acid auf Woody Mc Brides Platten. Aber bei tiefgründigerem Recherchieren erweist er sich als eine überhaupt interessante Person. Man kann davon ausgehen, daß Woody Mc Bride vom Zeitpunkt der Inbetriebnahme seines Gehörs alle möglichen Musikstile und - formen von klassischer Musik über die sogenannte handgemachte, speziell Rockmusik der 60er und 70er Jahre, über Discomusik und deren Mainstreamableger bis hin zu Punk, Wave, Electro und schließlich House und Techno erfahren, in sich aufgenommen und die irgendwie seine musikalische Entwicklung beeinflußt haben. Die bei Techno mehr oder weniger stehengeblieben sein muß, resultierend aus dem anteilmäßig größten Einfluß von Detroit Techno und auch deutschem. Basic Channel oder Djungle Fever. Offensichtlich ist Acid das dominierende Element. Aber seine Platten unter Woody Mc Bride oder DJ ESP sind so ganz anders; es fallen völlig übersteuerte Analogsequenzen auf, das Zwitschern wird zu einem unbestimmten Knarzen. In immer größeren Abständen zusammengesetzte Beats, fett, daß es nur so spritzt. Und es gibt wenig fließende übergänge. Meistens steht die Bassline von einem auf den anderen Augenblick vor dir und drückt dir auch sogleich eins in die Magengegend. Spannung ohne Spannungsbögen wirkt zwangläufig erschreckend. Zum Beispiel in "Together", welches auf dem "Midwest Acid Harvest"-Sampler zu finden ist, ist alles, was man hört, irgendwie auf einmal da und dann ganz plötzlich wieder weg. Das einzige, was sich allmählich aufbaut, ist eine dieser knarzenden Analogsequenzen. Ein Track, den du einfach fantastisch findest und du fragst dich, was ist das für einer, der sowas macht? Wie kommt man dazu, analoge Sounds dermaßen zu verzerren? Es ist Woody Mc Brides ureigene Auffassung von Acid oder seine ureigene Auffassung von dem, was wir Acid nennen. "Ich versuche, mit einem sehr populären Instrument originell zu sein und komme dem sehr nah." Tatsächlich haben viele Tracks etwas sehr originelles, teilweise soundmäßig und auch vom Groove her. "Ich liebe das unberechenbare Auf- und abschwingen des 4/4 Taktes beim Acid. Ich mag unmelodische Pattern. Und ich mag Musik und Rhythmen ohne Bezug zu konventioneller Musik. Ich weiß alle Formen von Musik zu würdigen, aber Techno habe ich außerordentlich gern." Woody Mc Bride mag alles, was verrückt, electronisch und hypnotisch ist; das ist nicht zu überhören. Ebenso unüberhörbar ist eine gewisse Experimentierfreudigkeit. An diesem Punkt interessiert uns natürlich, wie weit diese Experimentierfreudigkeit geht; etwa in Richtung zufällige Strukturen und Geräusche. "Nichts ist zufällig. Vielleicht zusammenhanglos, aber immer beabsichtigt." Die zur Verarbeitung notwendige Kreativität resultiert in diesem Fall aus einem überaus gesunden Leben, was nicht immer so war. Jedenfalls gibt es keine Drogen mehr und Alkohol und Zigaretten sind sowieso eklig. Nur noch pure Natürlichkeit. "Ich fange die Energie meines Lebens ein, die Erfahrungen und Erlebnisse in der jeweiligen Zeit." Woody's Output ist zwar vielfältig, aber immer charakteristisch. "I work and listen and rework and listen and record!" Meist arbeitet er allein. "Es ist nicht einfach, zwei Stile zu einem zu vereinen. Techno ist von Natur aus sehr individuell - eine Wiederspiegelung der Leute heutzutage." Seit seinen ersten Produktionen, "Psychapocalypse" auf Adam & Eve und "The Earthworm Sings" (zusammen mit Freddie Fresh) auf Experimental erschienen zahlreiche Veröffentlichungen auf den diversesten Labels, darunter Drop Bass Network ("Bad Acid", "Balance"), Magnetic North ("Rattlesnake") und Synewave (Low") sowie Underground Construction und Analog Records. "The Earthworm Sings" ist einfach eine Metapher für meinen 'Underground sound'. Und es war irgendwie lustig. Damals hieß es überall Cyber dies, Cyber das; dem galt es etwas Organisches entgegenzusetzen." Selbst auf Labworks erschienen Platten unter dem Synonym 4D. Weitere Projektnamen sind Sync und Electris. Grundsätzliche Unterschiede zwischen den Sachen, die auf den verschiedenen Labels erscheinen, gibt es nicht. "Ich versuche immer, den Geschmack des jeweiligen Labels zu treffen." Seit November letzten Jahres hat Woody Mc Bride ein eigenes Label, Communique' USA Records And Multimedia. Die Fülle von Labels, für die er sonst arbeitet, wirft da schon die Frage nach dem Warum auf. "Es schien das Richtige zu sein, da alles viel experimenteller sein sollte." Mittlerweile existieren auch zwei Sublabels, "Sounds" für reine Housemusic und "Head In The Clouds" für richtig experimentellen Stuff. Communique' selbst fungiert als Plattform für Woody's bestes Material. Aber er ist nicht der einzige Act auf diesem Label. Hinter den verschiedenen Projekten, die er für Communique' gesignt hat, stehen ausschließlich Leute aus Minneapolis und Chicago. Womit wir auch schon beim Midwesten an sich wären. Woody Mc Bride lebt in St. Paul, einer Stadt, die nur ein Fluß von Minneapolis trennt. "Eigentlich ist es eine einzige riesige Stadt. Die Szene hier ist etwas chaotisch, aber es ist gar nicht so lange her, da war sie noch eine der besten Underground - Szenen in den USA." Eine gesunde Szene mit zahlreichen schwarz-weißen Fanzines und großen Parties, die sich auch schon seit langem intensiv mit dem Internet beschäftigt. Woody Mc Bride ist nach wie vor der Main Promoter hier. "Am bekanntesten wurden wir mit unserer Wall Of Bass. 52 Subwoofer bildeten eine Mauer, 30 Fuß lang und 12 Fuß hoch!" Zweifelsohne ist Woody Mc Bride einer der vielseitigsten Multiaktivisten im mittleren Westen der Vereinigten Staaten und man kann nur hoffen, daß es er und die ihm Gleichgesinnten schaffen, die hiesige Szene wieder zu dem zu machen, was sie einmal war. Und daß uns Woody Mc Brides eigenartiger Acid noch lange erhalten bleibt.


Discographie

COMMUNIQUE
001 Tape 3*7"-W.M.Bride
002 Sick & Tired 2*12"-W.M.Bride
003 Coincidence-Ambient Cassette-W.M.Bride
004 Out Of Purple Haze-various 2*12"
005 Speed O' Light-various 2*7"
006 Electris-W.M.Bride 12"
007 T-Shirt
008 Mad Scientisit-Hoschi vs. DJ ESP
009 Track is a track is a track-various 2*12"
010 Wigged Out-Dan Eben 12"
011 Nex-Invisible 12"
012 On the Run-Samoan Acid Stomper 12"
013 Timeblind-Chris Satinger 2*12"
014 Comedy/Trajedy-DJ ESP live in Chicago 12"

SOUNDS
001 The Innocent vs Modal 12"
002 Dimension 13-Steve Cinch 12"
003 The Neighbors-various 2*12"
004 Modal II-Lunch 2*12"
005 Sideburns EP-Gemini vs Unit T 12"
006 Acidisco 12"

HEAD IN THE CLOUDS
002 Life in the Slow Lane-W.M.Bride and D.Wilde


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(c) 1995, Sven Haubold (sh4@irz.inf.tu-dresden.de)