12" Protection Zone

Rezensionen von Scheiben der letzten 5-7 Wochen (manche auch etwas älter).

Wer selbst mal ein paar neue Scheiben rezensieren möchte, kann das hier tun!


ACID        AMBIENT       DRUMīNīBASS        EXPERIMENTAL        HOUSE       JUNGLE      TECHNO

ACID


AMBIENT

Mikolajewicz "Gleiche Höhe ist kein Abseits"
(Plattenmeister/D)
Ein verdammt gutes Debütalbum von jedem der sich der schreckliche Sven nennt und es doch aber dann gar nicht ist. Denn hier gibt es fast 45 Minuten sehr entspannten Ambient, der sich tatsächlich mit dem messen darf, was derzeit in der euopäischen Ambientliga gespielt wird. Neben Samples die wahrscheinlich aus dem bereich der autogenen Tapetrainer stammen dürften, gibt's jede Menge Klänge der Natur und sogar Gitarren und Streicher. Sehr hübsch. Grace

Snooze "Middle Class Lady"
(SSR/Grammed/SSR168/UK)
Viel Flächen, viel Beats, allerlei Sequenzen und dennoch ausgesprochen ruhig. Seite Zwei wird ein richtig jazziger und verträumter sonniger Sonntag, obwohl am Vormittag ein kräftiges Drumgewitter wütet. Sonne

Funkstörung "1.08"
(Musik Aus Strom/D)
Musik Aus Strom ist ein neues deutsches Elektroniklabel um die Münchener Delirium-Macher Michael Fakesch und Chris de Luca. Die weiße Testpressung zeigt gleichermaßen, wie sich Musik Geräusche einverleibt und selbige ausschließt. Um es genauer zu sagen, bis auf "Oszillator" wird eigentlich störungsfrei übertragen. Harmonie. Die Zeit summt und rinnt dir wie Sand durch die Hände und ehe du dich versiehst, knackt die Abtastnadel über die Auslaufrille. 100% anhören müssen. 200% weitermachen! Sonne


DRUM'N'BASS


EXPERIMENTAL

Soul Oddity "Tone Capsule 3"
(Astralwerks /ASW 6173/US)
Teil Drei von dreien und noch eine Idee abgedrehter als die ersten. Spritzig, brodelnd, blubbernd und weit weg vom 4/4-Takt. Das vollelektrifizierte Jazzorchester. (Von wegen forty five rounds per minute.) Strudel aus Mikadostäbchen münden in immer neue Existenzformen. Unendlich viele übereinanderliegende Rhythmen und Pattern. Unbedingt hörenswert. Sonne

BPMF "Delancey Tracks"
(Schmer Records/schmer-001/US)
Debutscheibe des niegelnagelneuen New Yorker Labels, das Lust auf mehr macht. Jason "BPMF" Szostek, den der eine oder andere vielleicht aus dem Rancho Relaxo Umfeld kennen wird. Elektrik domoniert. "Gentlemen preffer Sex": In sich verschlungene dunkle Schwingungen, die sich über eine Bassline schleppt und dabei scheinbar genau meinen Hüftaktivator anzusprechen scheint. Ansonsten bietet die Scheibe jede Menge Spannungen. Dezente Beats, Science Fiction mäßige Laserdrums und hübsch schräg modulierte Sequenzen. Grace

Neil Landstrumm "Understanding Disinformation"
(Tresor Records/Tresor 053/D)
Um's gleich mit einem Satz zu sagen: LANDSTRUMM IST KRANK! Dieses Tracks sind definitiv das härteste, düsterste, kreischendste, schrillste, abgefahrenste, pumpendste das ich je gehört hab. Landstrumm experimentiert das einem Hören und Sehen vergehen. Monstermäßige Bässe, alles niederknüppelnde Drums und Sequenzen, bei denen man sich zu fragen beginnt, warum man sie überhaupt noch hören kann. Auch wenn die früher so typischen Landstrumm'schen Bassdrumorgien nicht ganz so straight kommen, kickt hier einfach alles. Selbst die vermeintliche "leiseren Parts" haben es gewaltig in sich. Einfach irre! Grace

Martin 17 "Closed Circuit"
(Raw Elements/raw607/D)
Klar, wär in der Grundschule Blockflöte gelernt hat, steht auf Minimales. Closed Circuit klingt ein wenig gesetzter als noch die letzten Raw Elements. 4 Tracks, die fast nur mit Drumsets auskommen. Mal hart und knackig, mal fast vorsichtig. Hilight: "Get Breaked" - Nicht ganz so minimal wie die drei anderen Tracks. Tiefdunkle Wolkengebilde im Hintergrund und jede Menge Spielereien mit eigenartigsten Sequenzen und stolpernde Drums. Grace

Clever'N'Smart "Nonlinear"
(Superstition/2060/D)
"Synthflut" ist nicht ganz so spektakulär wie "Tea'N'Tea", aber zappeln tut man dennoch. "Nonlinear" auch nicht, obwohl schon wesentlich dynamischer. Halt eine typische Clever'N'Smart-Scheibe: Man hört, daß die beiden ins Studio gehen, um Spaß zu haben. Und das überträgt sich auch über das längste Chinchkabel und geht ungedämpft und direkt ins Gebein. Sonne

Tension music 3
(Tension Records/TEN3007/US)
Aggressives, tiefschwarzes, böses Stück Vinyl. Brachiale Bässe, knüppelnde Beats. Mal verspielt und experimentell und dann einfach geradelinig marschierend. Grace

Panasonic "Uranokemia"/"Telako"/"Parturi"/"Murto"
(Blast First/Mute/BFFP128/UK)
Am Anfang, als die Sähkö-Platten noch viel zu viele Löcher hatten, hätte wohl niemand gedacht, daß es jemals Plattentaschen oder T-Shirts mit dem Logo des Labels geben könnte. Und für diejenigen, die keine der ersten Scheiben bekamen, schienen die Chancen für immer verloren. Plötzlich gab es das alles. Auch Nachpressungen von "Röntgen" und "Kventti" gab es. Mit jeweils nur einem Loch. Und eine sonderbare Scheibe namens "Pi", die sehr an "Kventti" erinnerte. Die zweite Panasonic "Vakio" wurde eine Picture Disc, hatte aber in klanglicher Hinsicht nicht viel zu bieten. Die dritte erscheint nun ebenfalls auf dem Mute-Label und bietet einen ganz netten (den ersten) und einen richtig interessanten Track (den dritten). Ruhige Geräuschkulissen mit Beats, die nicht ganz so reduziert sind. Die nächste Panasonic wünsche ich mir mit so viel interessanten Tracks, wie insgesamt drauf sind. Sonne

RO 70 meets Move D.
(Source Records Nr. 1245/D)
Hörbeispiel repetitive Musik Nummer Eins: Zwischen der blubbernden Wasseroberfläche und den Nebelschwaden Bambusstäbe voller elektrischer Felder. Nummer Zwei: Eine rotierende Sequenz. Dumpfe Beats. Eine Spur kommt zur anderen. Richtig rostige Hihats. Allerlei elektrische Impulse. Lecker. Auch für die, die das Album nicht kennen. Sonne

The Wiseguys "Executive Suite"
(Wall Of Sound/WALLLP008/UK)
Grenzen verschwimmen. Am meisten die von Elektronik zu Jazz und die von Jazz zu Hip Hop. Ein Stück von dieser Musik, die klingt, als wäre sie schon zwanzig Jahre alt. Dazu ein Cover und vier Etiketten im zwanzig Jahre alten Design. Aber der Klang ist einfach unwiderstehlich frisch und was einen immer wieder überrascht, ist diese plötzliche Elektrizität. Selber hören und gut finden. Sonne


HOUSE

Jochen Reiter vs Jürgen Drimal "Timezone"
(Hollis Haus Records/Hollis007/US)
Zwei blitzsaubere geradlinige Housestampferchen, ohne großes Federlesen. Schlicht und einfach, sozusagen naturbelassen. Keine Breaks, alles wird eingeschliffen, zwei minimale Trips für heiße Nächte. Grace


JUNGLE


TECHNO

Rob Gordon Projects
(Source Records/D)
Schon seit längerer Zeit angekündigt und nun endlich auf dem Teller. R.G. Projects ist eine Sammlung von Tracks eben jenes Rob Gordons mal zusammen mit David Moufang, mal mit Richie Hawtin, Stephen Naylor und einigen anderen. Dem Doppelalbum merkt man an, daß die Tracks nicht extra für dieses Projekt jetzt und heute gemacht wurden, sondern schon mal zurück ins Jahr 1991 datieren. Nichtsdestotrotz ist das Album sehr Abwechslungsreich. Von ruhig vorsichhin träumenden Ambienttracks über düstere Soundexperimente bishin zu düsteren Housetracks. Wenn überhaupt ein Track hervorzuheben wäre, dann vielleicht der phantastisch dunkle "seven hills" von View to view. Ansonsten ein sehr kompaktes Stück Vinyl, das man so von Source eigentlich nicht erwartet hätte. Grace

Fred Giannelli "Management Remixes"
(Superstition Records/Super2059/D)
Drei düster knackige Remixe der Herren Giannelli, Brügesch und Vincenzo. Lizensiert aus dem Hause Telepathic. Fred Giannellis Remix ist ein düster vorsich dümpelndes Etwas dem eine ewig dahinblubbernde Sequenz etwas an Lebendigkeit einzuhauchen versucht. Ein einziger monotoner Trip aus schwerfälligen dunklen Zutaten, nur mal kurz durch einen Drumpart und eine etwas hellere Sequenz aufgeweicht. Steve Bugs Track klingt, wie Steve Bug nunmal kling. Furrrztrocken. Der Track wird beschränkt auf all das, was irgendwie schroff klingt und ab gehts. Vincenzo Version klingt eigentlich ähnlich. Ebenfalls dunkel, minimal und trocken, weicht von den beiden anderen aber durch ein echtes Arrangement ab. Grace

"Detroit Beyond The Third Wave"
(Astralwerks/ASW 6170/US)
Was wir hier vor uns haben, ist eine Compilation, deren Name eigentlich schon für sich spricht und alles aussagt. Hochkarätige Detroiter Acts findet man hier versammelt mit ihren zeitlosesten Stücken: Claude Young, K-Hand, Shake, T1000 und noch einige andere. Auch dem Sound braucht man nichts mehr hinzuzufügen. Diese Scheibe ist schlicht und ergreifend ein dem Detroit Techno gesetztes Denkmal. Sonne

Der Dritte Raum "Trommelmaschine" Rmxs
(Harthouse /HH097/D)
Die Mixe kommen von Fred Giteau, dem Sequenzer, Ricardo Villalobos und dem Andreas Krüger selbst und sind überwiegend recht knackig. Bis auf den von Ricardo Villalobos, welcher ziemlich mellow dahinfließt. Sonne

"Luke Slater & The 2 Lone Swordsmen Decode The Hacker Myth"
(Harthouse/HH101/D)
Noch einmal Remixe aus dem Hause Eye Q. Luke Slater's Dinosaur Mix von Alter Ego's "Lycra" schrallert sich auch in Dein Ohr und geht ab wie Metül. Die Swordsmen nehmen sich "Mescal" vor und ordnen alles neu zu zwei herrlichen Ambient-Dub-Stücken - der Dub ist das reine Paradies. In Kürze wird es noch eine weitere Rmxs geben; vielleicht sind die 2 Lone Swordsmen wieder mit dabei.Sonne

The Moon and The Sun "part 3 of 3"
(Superstition Records/Super2064/D)
Teil drei des Lopez-Zippel-Goa-Epos. Diesmal mit von der Partie: Der dritte Raum: gewohnt treibend und wieder jeder Menge rauher Sequenzen, Cosmic Baby: zuletzt ja in wahrer Experimentierwut, letzt er hier sogar ein paar Klänge seiner Hits einfliessen, Kode IV: die "Satellit" zu hypnotischen Goa-Trance Überflieger reifen lassen und zu guter letzt: KX Noizesystems Remix von "Avus" der einfach tierisch nach Harthouse klingt - hypnotisch pumpender Trance. Grace

Euphorhythm "Postflight Tension"
(Space Teddy/ST018/D)
Pünktlich zur Loveparade bescheert uns der Space Teddy eine neue Motte. Wie sich das für den Doktor gehört, gibt's zwei hypnotische, leicht trancige Tracks. Wobei der B-Seiten-Track "Preflight Tension" eine Spur abgefahrener als die A-Seite ist. Zwar wird auch hier kräftig nach vor gestampft, allerdings gekrönt durch jede Menge galaktisch klingender Sahnehäubchen. Grace

Cle presents "Klub Berlin"
(MfS/MfS093/D)
Nach Cle's Ausflügen in die rauhen Elemente des Nordens wandelt er nun wieder in heimatlichen gefilden. Die A-Seite bietet zwei verspielt trancige Track, wobei "Klubland" etwas rhythmuslastiger ist. Einen wahren Leckerbissen gibt's auf der B-Seite. Cle und Johnny Klimek zaubern eine herrlich sphärische Hymne auf's Berliner Nachtleben. Voller tiefhängender Klangflächen, kleinen fast jazzig klingenden Melodien und sogar einen Break-Beat-Part. Klasse! Grace

Robert Görl "Watch The Great Copy Cat"
(Disko B/DB 52/D)
Wer rastet, der rostet. Deshalb läßt uns Robert Görl auf seinem neuen Doppelalbum kaum Zeit zum Verschnaufen. Der "Insekter" ist wie diese kleinen Fliegen, die dir auf dem Feld ums Gesicht schwirren und unbedingt in deinen Augen landen wollen. Danach wird es Zeit für ein Bad, aber das Wasser schwappt größtenteils über den Wannenrand, weil die Beine immernoch zappeln. B1 heißt "Wabe" und hat auch was mit Insekten zu tun. Das hört man. Das einzige langsamere Stück ist "Dämonika". Ich weiß zwar nicht, ob das was mit Monika Kruse zu tun hat, aber so furchtbar klingt es dann doch nicht. "Rubber Ritual" klingt wie ein riesiger Schwarm Hummeln und du springst, als hättest du welche in der Hose. Keiner weiß, woher das Stück seinen Namen hat. Also hüte Dich vor der großen Copykatze. Sonne

Jonzon "Dirty Seconds"
(Disko B/DB 53/D)
Nahtloser Anschluß an "Testosterone". Wenn auch nicht ganz so weiträumig klingend, so hat "D For Demand" doch genau den gleichen Rotstich auf dem vergilbten Film. "Cardiological Stomp" ist weniger farbenfreudig und geprägt von Minimalism und scharfen Kontrasten. Wieder ein Film ist "The Low Spark Of The Plunted Guys", aber ein sehr verschwommener. Sonne

Dakar & Grinser "Shot Down In Reno"
(Disko B/DB 54/D)
Dieses Stück Vinyl geht einem nicht ins Ohr, sondern es bricht langsam über einen herein. Düster. Elastisch. Synthetisch. Schroff. "Supergau" ist das schlimmste, was einem jetzt noch passieren kann und bohrt sich von oben durch die Schädeldecke. "San Quentin" geht schon wieder, aber "Bad Vibrator" taucht wieder in das Loch in der Schädeldecke und bohrt weiter. Schön schrecklich - schrecklich schön. Sonne

Stereo Jack "House Audio E.P."
(Raw Elements/RAW 608/D)
Dis Jack is da rula! Musik wie Flut aus dem Elbtunnel. Kompromißloses Slamming. In Hommage an Star Wars - "Boba Fett": Fette Beats aus flirrender Luft landen butterweich in analogen Sequenzpolstern und klingen gar nicht nach dem Kopfgeldjäger mit dem Düsenpaket. This Side ist analoger, aber slammt genauso, bis mit "Mama DJ" die Sonne aufgeht. Schönen Gruß nach Hamburg. Slave 1 ist schon ein irres Gerät. Sonne

Hardfloor "Strikeout"
(Harthouse/HH096/D)
Wie das ganze Drumherum schon vermuten läßt, handelt es sich um sehr amerikanische Musik. Elektrisch und reduziert. "Strikeout" scheint den ersten Eindruck vom Sinn des Baseball bestätigen zu wollen: Lauf' so schnell du kannst. Neben dem Original gibt es auf der Scheibe drei weitere Abmischungen von DJ Surgeon, Steve Stoll und Mark Bell. Letztere ist sozusagen der Hammer, weil laut und kompromißlos böse. Sonne


CD-Corner

So, und damit die CD-Liebhaber nicht ganz ohne irgendwelche Tips wegkommen, hier die aktuellen Testīs:

Eddie Flashin Fowlkes "Black Techno Soul"
(Tresor/Tresor 49/D)
Fowlkes ist wahrscheinlich die einzige große Figur aus den Kindertagen des Technos, der es geschafft hat, schön dezent im Hintergrund zu bleiben und über Jahre hinweg an seinen Vorstellungen von dieser Musik zu feilen. Obgleich man immer wieder einige verwunderte Blicke beim Begutachten seiner Tracks (auf City Boy, 430 West oder sogar Peacefrog) bemerkt, bleibt er irgendwie seiner Linie hundertprozentig treu. Technosoul, was immer das auch sein mag, ist unzweifelbar mit Fowlkes verwoben. Seine Tracks irgendwie als Mischung aus Jazz, Soul und Techno zu beschreiben wäre beileibe zu wenig, denn man bekommt kaum eins dieser Elemente tatsächlich richtig zu Gehör. Unglaubliche Bassharmonien, hakelige Sequenzen und Drumsets der guten alten Detroiter Schule. Grace

Stasis "fromtheoldtothenew"
(Peacefrog Rec/UK)
Das schrillste Stück Plastik seit langem von Peacefrog. Quer durch alle Sparten und Bereiche der elektronischen Musik. Ambient, Trip Hop, Dub, Tribal und diverse Klangforscherei. Future Disko? Schrillste Sequenzen, wilde Tempowechsel, krasse Arrangements, mal warme und mal abgefahrene Klänge. In dieser Mischung wohl noch nie dagewesen und schon deshalb irgendwie beeindruckend. Ähnlich hemmungslos abrupte Themenwechsel hat man zuvor, wenn überhaupt, dann vielleicht bei pwog gehört. Grace

Brassic Beats "Volume One"
(Skint Records/brassic1CD/UK)
Für die erste Werksschau des noch recht jungen britischen Labels Skint Records klingt diese Compilation doch recht fertig und rund. Dem geneigten Zuhörer wird eine hochmoderne, stark elektronifizierte Mischung aus Jazz, Hip Hop und Dub nähergebracht. Dabei wird zwar auch schon mal kräftig zur Gitarre gegriffen und ein Chaos losgetreten, daß auch auf diversen Punkfestivitäten bestandhaben dürfte, trotzdem darf sich unser verwöhntes Ohr immer wieder an klasse elektrischen Passagen erfreuen. Grace

V.A. "Music is Immortal"
(Different Drummer/UK)
Eine leichtfüssig dahinfliesende Ode an die beiden Dub-Heroen Richard Whittingham und Glyn Bush, die ihre größten Erfolge bisher als Rockers HiFi feierten. Zu hören gibt es acht Tracks aus dem näheren oder weiterem Umfeld der als Dub-Kultband geltenden Briten. Trotz recht deftiger Bässe wirkt alles an dieser Sammlung relaxt, spontan und keineswegs überaltert. Rockers Hifi verstehen es auf wundersamste Weise jameikanische Dub-Grundfesten mit den Ideen des technoziden Europas zu paaren, handgezuptes und synthetisch Erzeugtes zu verknüpfen. Grace

komet.saat
(raster music/cdr002/D)
Dies hier ist nun also das erste "technoide" Album eines Mannes, der früher mal seine Brötchen als AG Geige Mitglied verdient hat. Frank Bretschneider ist ein Liebhaber des synthetischen Klanges, ohne Zweifel. Neun minimale Tracks die im Kopf ihre Wirkung entfalten. Keine großen Stimmungswechsel vielmehr kleine homogene Filmfetzen, die mit Details spielen und Spannung durch Wiederholung und kleinste Änderungen erzielen. Elektronische Spielereien der Machart die man leider immer seltener hört und dabei doch einem so das Herz erfreuen. Grace

Rancho Relaxo All Stars "Volume 1 - Higiene Mental"
(Disco B/db41cd/D)
Die im folgenden mit "Higiene Mental" bezeichnete Organisation ist ein weltweit agierendes sektenähnliches Gebilde mit Niederlassungen in Hollis(NY), Wien, Finnland und München. Die Köpfe der Organisation agieren weltweit im Untergrund und sind allesamt als höchstgefährlich anzusehen. Vor allem Dietrich Schoenemann, Carlos Abraham Duque, Jimi Tenor (der als Kellner in einem finischen Resaurant namens Cafe Europa jobt), Mika Vaino, Jason Szostek gelten als unberechenbar. Die Aktionen der Organisation werden von einer Farm "Rancho Relaxo" in den Südstaaten aus koordiniert. Von dort aus überschwemmt die Sekte die Welt mit Tonträgern, die über subliminale Botschaften und extremen elektrischen Signale die Rezipienten zum Wahnsinn und oder zu völligen Gehorsam der Sekte gegenüber treibt. Leider ist es uns bis heute nicht gelungen, die Botschaften genau zu entschlüsseln, es hat aber auf jeden Fall etwas mit Mexico, einer speziellen Art asiatisch zubereiteter Hühnerkeulen und jeder Menge Pferden zu tun. Grace

E-Z Rollers "Dimensions of Sound"
(Moving Shadow/Ashadow5/UK)
Klasse rasselnde, steppende Break-Beat-Lines, wirklich prächtig gelungene Bassläufe, diverse Jazz und Soulanleihen, Trompeten, Saxophone, eine Sängerin der man auch das fünfte Mal noch zuhören kann, Flächen, SciFi-mäßige Klangfetzen. Drum 'n' Bass für zu Hause, relaxed und angenehm und trotzdem abgefahren. Grace

V.A. "Harthouse 100"
(Harthouse/HH100/D)
100 mal Harthouse. Etliche CD's und EP's gar nicht mitgerechnet. Und trotzdem zählen die Frankfurter nachwievor zur Creme der deutschen Labellandschaft. Immer auf der Suche nach Neuem, Abgefahrenem, Experimimentellem. Selbst in Phasen, wo viele die Frankfurter schon fast abgeschrieben hatten, packten die einen Patrick Lindsey oder einen Jiri.Ceiver aus und leuchteten seitdem wieder als die innovative Kraft westlich der Elbe. Frankfurt ist schon immer die Hochburg des Techno in deutschen Gefilden und das ist zum großen Teil tatsächlich Sven Väth und den Harthouse-Leuten zuzuschreiben. Harthouse 100 ist aber beileide kein Blick zurück auf Geschafftes. In Frankfurt wird nach vorn marschiert. 8 pumpende Tracks von Patrick Lindsey, Alter Ego, Braincell, Hardfloor, Sven Väth, Ralf Hildenbeutel, Pulse, Bill & Ben, Jiri.Ceiver. Glückwunsch! Grace

V.A. "La Connection - Chapter 2"
(F Communication/F045/F)
F Communications hat sich ohne Zweifel zu einer der feinsten Adressen der elektronischen Musik in Europa entwickelt. Das ist vor allem der Vielschichtigkeit des französischen Labels zuzuschreiben. Von Technostompern, über exzellente Housemusik ala St. Germain bishin zu Listening Music reicht das Reportaire der Franzosen. "Chapter 2" beinhaltet so auch zwei völlig verschiedene CD's. Die erste widmet sich funky-dubby-house tunes: Shazz, Nova Nova, St. Germain. Die zweite CD zielt eher auf den Technofloor: Laurent Garnier, Scan X, Aurora Borealis uvm. Wer bei der derzeitigen Veröffentlichsflut nicht mehr durchsieht und etwas von Bestand sucht, sollte hier unbedingt zugreifen! Grace

Les Rythmes Digitales "Liberation"
(Wall of Sound/wallcd009/UK)
Eine Geschichte wie für Barbara Ehlichmann gemacht. Jacques Lu Cont, Franzose, verbrachte den Großteil seiner Kindheit in einer Klappsmühle, rausgekommen hat er nichts anderes im Sinn als sein Tonstudio im Ambiente seiner Zelle einzurichten, ein Technoalbum zu produzieren. Scheinbar ist ein Aufenthalt in einer Heilanstalt für den Produzentengeist dermaßen belebend, daß demnächst Heerschaaren von einfallslosen Produzenten die deutschen Klappern füllen müßten. Was Jacques hier seinen Geräten entlockt ist nämlich tatsächlich an Spritzigkeit kaum zu überbieten. Harte düstre Technoklänge paaren sich mit wilden Hip Hop Rhythmen zu einer, wie es im Infoblatt zu nett steht, "psychotischen Reise in die Biographie Jacques'. Besser hät es auch Barbara nicht ausdrücken können. Grace

"Miscellaneous-Volume 2"
(Language/Crammed Discs/WORD D3/UK)
Obwohl man auf Language immer recht junge und noch weitgehend unbekannte Künstler produziert, beeindruckt das Label, bei dem kein geringerer als Tony Thorpe(Moody Boyz) im Hintergrund die Fäden spinnt, durch erstaunlich runde Produktionen. Die hier vorliegende zweite Compilation des Labels widmet sich feinster elektronischer Musik der ruhigen Gangart. Irgendwo zwischen Dub und Ambient und schon auch mal mit Gesang ein bißchen Crossover-mäßiger. Sehr empfehlenswert. Grace

Higer Intelligence Agency vs Biosphere "Polar Sequences"
(Beyond Records/RBADCD17/UK)
Bobby Bird (HIA) und Geir Jenssen (Biosphere) live! Polar Sequences ist ein Live-Mitschnitt des Konzertes der beiden beim Polar Musik Festival in Norwegen und jedem wärmstens an Herz gelegt. Gearbeitet wird hier mit Samples aus dem norwegeischen Dunstkreis, sprich Eisknacken, Liftfahren und ähnliches. Das Ergebnis klingt einfach unheimlich atmosphärisch. Grace


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